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Jeffrey Epstein angeklagt : Milliardär soll viele Minderjährige sexuell missbraucht haben

  • Aktualisiert am

Eine Zeichnung aus dem Gerichtssaal von Jeffrey Epstein während der Verhandlung am 8. Juni 2019. Bild: AP

Zu den Weggefährten von Jeffrey Epstein zählen Bill Clinton und Donald Trump. Jetzt drohen dem Banker bis zu 45 Jahre Haft. In den Blick gerät eine außergerichtliche Vereinbarung, von der Epstein vor mehr als zehn Jahren profitierte.

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          Der amerikanische Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Laut der am Montag veröffentlichten Anklageschrift wirft ihm die New Yorker Staatsanwaltschaft den Handel sexueller Tätigkeiten und die Verschwörung zu diesem Handel vor. Der Investmentbanker wies bei einer Anhörung vor dem New Yorker Bezirksgericht alle Anschuldigungen zurück. Bei einer Verurteilung drohen dem 66 Jahre alten Mann bis zu 45 Jahre Haft.

          Die Liste von Freunden und Bekannten Epsteins ist so lang wie prominent. Zu den Weggefährten des New Yorkers zählen Staranwälte wie Alan Dershowitz und Kenneth Starr, der Sohn der britischen Königin, Prinz Andrew, Bill Clinton und auch sein Nachfolger im Weißen Haus, Donald Trump. „Ich kenne Jeff seit 15 Jahren. Man sagt ihm nach, wie ich schöne Frauen zu mögen. Viele von ihnen waren sehr jung“, verwies Präsident Trump schon 2002 auf Gemeinsamkeiten mit Epstein.

          Eine weitere Gerichtsanhörung, bei der Epstein auf Kaution vorerst freikommen könnte, wurde für Donnerstag angesetzt. Staatsanwalt Geoffrey Berman will nach eigenen Angaben beantragen, dass der Milliardär bis zu einem möglichen Prozess in Gewahrsam bleibt. Das Fluchtrisiko sei hoch, sagte Berman. Epstein verfüge über enormen Reichtum, und die Anschuldigungen wögen sehr schwer. Laut dem Staatsanwalt soll Epstein zwischen 2002 und 2005 Dutzende junger Mädchen bei sich zu Hause in New York und Florida sexuell missbraucht haben. Er habe ihnen große Summen in bar bezahlt und einige zudem dazu gebracht, weitere Mädchen anzuwerben.

          Vergleich gilt laut Staatsanwalt nur für Florida

          Einige seiner Opfer waren erst 14 Jahre alt und „höchst anfällig für Ausbeutung“, sagte Berman. Epstein sei bewusst gewesen, „dass viele der Opfer Minderjährige waren“. Der Staatsanwalt wies darauf hin, dass die Anstiftung von Minderjährigen zur Prostitution nach dem Gesetz eine Straftat sei – auch, wenn seine Opfer eingewilligt hätten. Epstein war am Samstag nach der Landung seines Privatjets an einem Flughafen in New Jersey festgenommen worden. Zuvor hatte er sich in Paris aufgehalten. Bei einer Durchsuchung seines Anwesens in Manhattan wurden laut dem Staatsanwalt am Wochenende Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt.

          Das 2006 entstandene Foto zeigt Jeffrey Epstein nach seiner damaligen Verhaftung.

          Es ist nicht das erste Verfahren gegen den Investmentbanker mit besten Verbindungen in die Politik und zu Prominenten. Bereits vor mehr als zehn Jahren war er wegen ähnlicher Anschuldigungen von einem Bezirksgericht im Bundesstaat Florida verurteilt worden. Aufgrund einer außergerichtlichen Vereinbarung, die der heutige amerikanische Arbeitsminister Alexander Acosta als damaliger Staatsanwalt mit ausgehandelt hatte, erhielt Epstein eine 18-monatige Haftstrafe und kam nach 13 Monaten frei. Ein Verfahren vor einem Bundesgericht blieb ihm im Gegenzug erspart. Recherchen des „Miami Herald“ ergaben zudem, dass der Milliardär großzügige Hafterleichterungen wie täglichen Freigang genoss.

          Die Vereinbarung blieb lange Zeit unter Verschluss. Durch die Enthüllungen rückte nun auch die Rolle Acostas in der Angelegenheit in den Fokus, welche abermals Rufe nach seinem Rücktritt laut werden ließen. Chuck Schumer, der Fraktionschef der Demokraten im Senat, erklärte am Dienstag Epstein hätte schon vor Jahren im Gefängnis sitzen können, hätte Acosta den damaligen Deal nicht ausgehandelt. Schumer forderte, aus diesem Grund müsse der Arbeitsminister von seinem Posten zurücktreten. James Gagliano, ein früherer Ermittler der amerikanischen Bundespolizei, verwies zudem auf mögliche juristische Schritte für Amtsträger. „Die Abteilung für Korruption wurde eingeschaltet. Es geht also um mehr als nur einen reichen Sexualstraftäter“, sagte Gagliano dem „Miami Herald“.

          Acosta selbst äußerte sich am Dienstag zu den Anschuldigungen gegen Epstein sowie zu den Vorwürfen gegen seine Person. Die Taten Epsteins bezeichnete er als „grauenhaft“ und zeigte sich zufrieden, dass die New Yorker Ermittler auf Basis neuer Erkenntnisse ein Verfahren vorantrieben. Bei den vor mehr als einem Jahrzehnt vorliegenden Beweisen hätten die Staatsanwälte darauf bestanden, dass Epstein ins Gefängnis gehe und sich als Sexualstraftäter registriere, verteidigte sich der Arbeitsminister.

          Präsident Donald Trump sagte, Acosta sei ein „exzellenter“ Minister, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen „phantastischen“ Job gemacht habe. Er habe gehört, dass nicht nur Acosta in die damalige Entscheidung eingebunden gewesen sei, sondern viele Personen. Zugleich distanzierte sich Trump von Epstein. Er habe vor langer Zeit ein Zerwürfnis mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm gewesen.

          Epsteins Anwalt Reid Weingarten warf den Behörden vor, die alten Beschuldigungen aus dem Verfahren in Florida wieder neu aufzulegen. Die Vorwürfe seien den amerikanischen Behörden schon 2008 bekannt gewesen, als sie den Vergleich mit Epstein geschlossen hätten. Dieser schütze ihn vor jeglicher Strafverfolgung auf Bundesebene. Staatsanwalt Berman sagte hingegen, die Vereinbarung gelte nur für den Bezirk Florida. Die New Yorker Staatsanwaltschaft fühle sich nicht an sie gebunden. Für Epsteins zahlreiche Opfer sei es wichtig, dass er zur Rechenschaft gezogen werde.

          Der Staatsanwalt und ein FBI-Vertreter riefen mögliche weitere Opfer auf, sich zu melden. „Es ist unser wichtigster Fall. Epstein hat das Gewissen Amerikas erschüttert“, sagte der Staatsanwalt. Epstein absolvierte derweil seinen ersten Auftritt vor Gericht. In einem blauen Gefängnisoverall wurde er am Montag aus dem Metropolitan Correctional Center in den Gerichtssaal geführt, wo er sich nicht schuldig erklärte.

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