Urteil :
Sicherheitsverwahrung für Busentführer Wurm

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Haft und Sicherungsverwahrung: Dieter Wurm
Als „uneinsichtig und gefährlich“ hat das Berliner Landgericht den Bankräuber und Geiselnehmer Dieter Wurm bezeichnet. Für den Wiederholungstäter ordnete es Sicherheitsverwahrung an.

Wegen Busentführung, Geiselnahme und eines Banküberfalls hat das Landgericht Berlin den Wiederholungstäter Dieter Wurm am Mittwoch zu elf Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der 48jährige sei für die Allgemeinheit gefährlich und uneinsichtig, sagte die Vorsitzende Richterin. Wurm hatte im April 2003 eine Bank in Berlin überfallen, anschließend einen Linienbus gekapert und Fahrgäste sowie den Busfahrer stundenlang als Geiseln genommen.

Mit zwei scharfen Pistolen hatte der Angeklagte insgesamt sieben Geiseln, darunter eine Polizistin, bedroht. Schließlich konnte er nach einer Irrfahrt durch Berlin gestoppt worden. Die Geiseln blieben unverletzt, Wurm wurde bei seiner Festnahme angeschossen.

Überfall „aus Liebe zu einer Frau“

Bei dem Banküberfall, den er mit einem unbekannten Komplizen beging, hatte Wurm knapp 6000 Euro erbeutet. Seine Einlassung, er habe den Überfall „aus Liebe zu einer Frau“ begangen, wies das Gericht zurück. Die Verteidigung behält sich Revision gegen das Urteil vor.

Ein Gutachten hatte dem 48Jährigen volle Schuldfähigkeit attestiert. Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine mildere Strafe. Wurm, der in seinem Leben bereits gut 16 Jahre Haft wegen Banküberfällen und anderen Straftaten verbüßt hat, habe die Geiseln aus dem Bus aussteigen lassen und die Situation deeskalieren wollen, sagte sein Anwalt.

Anwalt: Polizeieinsatz ein Fiasko

Den mehrstündigen Polizeieinsatz bezeichnete die Verteidigung als „einziges Fiasko“. Dem Angeklagten müsse die Perspektive bleiben, ein Leben in Freiheit zu führen: „Mit 60 begeht man keine Banküberfälle mehr“. Bis zu der Busentführung habe Wurm als Musterbeispiel der Resozialisierung gegolten, sagte sein Anwalt. Nach seiner letzten Haftentlassung im Januar 2001 habe er zunächst als Fahrgastbetreuer bei der Berliner S-Bahn gearbeitet. Zuvor sei Wurm der Ingeborg-Drewitz-Preis für Literatur von Strafgefangenen verliehen worden. Rückfällig sei der 48jährige auch deshalb geworden, weil er seinen Job bei der S-Bahn verloren habe.

Wurm selbst entschuldigte sich in seinem Schlußwort bei den Geiseln: „Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat.“ Mehrere der Geiseln, insbesondere der Busfahrer, haben den Angaben zufolge heute noch schwer unter den psychischen Folgen der Entführung zu leiden.