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Urteil : Lebenslange Haft für Mord an Rollstuhlfahrer

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Zweimal lebenslange Haft sowie Jugendstrafen von acht und sechs Jahren: Das Landgericht Oldenburg hat den Mord an einem Rollstuhlfahrer als heimtückisch und ernsthaft geplant gewertet. Nur eine der Angeklagten weinte fassungslos.

          Wegen Raubmordes an einem schwer kranken Rollstuhlfahrer in Wilhelmshaven hat das Landgericht Oldenburg am Montag drei der vier angeklagten Männer und Frauen zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten den an Multipler Sklerose leidenden 54jährigen am 2. Oktober 2005 gemeinsam umgebracht und bestohlen. Wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge erhielten ein 24 Jahre alter Mann und eine 21 Jahre alte Frau lebenslange Haftstrafen sowie ein 17jähriger achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Wegen Beihilfe kam eine 16 Jahre alte Mitangeklagte mit sechs Jahren Jugendstrafe davon. Verteidiger und Staatsanwaltschaft behielten sich Revisionsanträge vor.

          Die vier Angeklagten nahmen die Urteile nahezu emotionslos und mit gesenkten Köpfen entgegen, nur die 21jährige weinte und schüttelte langsam den Kopf. Die Gruppe hatte die Diebstahlspläne und den Tatablauf weitgehend gestanden, aber eine Mordabsicht bestritten. Das Gericht sah jedoch die drei Mordmotive Heimtücke, Habgier und Ermöglichung einer Straftat als erwiesen an. Die Clique hatte dem Urteil zufolge geplant, dem Behinderten Wertgegenstände zu stehlen und ihn unter Umständen zu töten.

          Mindestens dreimal zugestochen

          Die vier jungen Leute hatten den Rollstuhlfahrer an jenem Sonntag in Wilhelmshaven getroffen; eine der Frauen kannte ihn. Er lud sie zu sich nach Hause ein. Sie tranken Alkohol, und die Frauen versuchten, ihn mit Sexspielen abzulenken, damit die Männer ihn bestehlen konnten.

          Die Täter besprühten den Behinderten mit Reizgas, schlugen ihm eine Flasche über den Kopf und versuchten, ihn mit Kissen zu ersticken. Weil der Mann mit den Beinen zappelte, schlug der 24jährige vor, ihn zu erstechen. Der 17jährige holte Messer aus der Küche und stach dreimal zu. Er hatte dies vor Gericht gestanden. Nach seiner Aussage hatte auch der 24jährige zugestochen. Dieser sagte jedoch vor Gericht, er könne sich nicht daran erinnern. Er wisse nur, daß er dem Opfer eine Flasche über den Kopf geschlagen und ihn mit einem Kissen zu ersticken versucht habe. Drei der Täter flüchteten mit ihrer Beute, darunter Handys und eine Geldbörse, über den Balkon und versteckten sich. Nachbarn hatten Hilferufe und Gepolter aus der Wohnung gehört und die Polizei alarmiert. Die 16jährige wurde im Schlafzimmer festgenommen; die anderen wurden etwas später gefaßt.

          Richter: Gruppendruck führte zur Tat

          Der Vorsitzende Richter Dietrich Janßen sagte, jeder Einzelne hätte allein wohl nicht die Tat begangen. „Sie ist nur daraus zu erklären, daß alle Mitglieder einer Gruppe waren, die sich gegenseitig bestärkten.“ Alle seien voll schuldfähig, weder der Alkoholkonsum noch festgestellte Persönlichkeitsstörungen hätten ihre Steuerungsfähigkeit wesentlich eingeschränkt.

          Das Gericht folgte im Fall der Erwachsenen dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die aber für die jüngsten Angeklagten höhere Jugendstrafen - nämlich zehn und neun Jahre - gefordert hatte. Die Verteidiger hatten kürzere Strafen beantragt, aber das Strafmaß in das Ermessen der Richter gestellt. Sowohl die Anwälte als auch die Staatsanwaltschaft behielten sich Revisionsanträge vor.

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