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Urteil gegen junges Paar : Ihr grober Plan: irgendjemanden zu töten

  • -Aktualisiert am

Am Landgericht Zwickau fiel das Urteil gegen das Paar Bild: dpa

Ein junges Paar aus Gera wollte an Geld und ein Auto kommen. Er erstach einen Autofahrer. Vom Gericht bekommen die beiden ein mildes Urteil.

          Ganz still ist es am Freitagmorgen im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Zwickau, als der Richter das Urteil verliest. Die beiden Angeklagten, der 20 Jahre alte Johnny H. und seine 17 Jahre alte Freundin Sarah P., sitzen regungslos neben ihren Anwälten, und auch als die entscheidenden Zahlen fallen, ist ihnen keine Emotion anzumerken. Das Gericht verurteilt H. wegen Mordes in Tateinheit mit besonders schwerem Raub mit Todesfolge zu neun Jahren und sechs Monaten Haft und P. wegen Beihilfe zu zwei Jahren Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt werden. In beiden Fällen urteilt das Gericht nach Jugendstrafrecht.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Teile des Publikums sind fassungslos. Denn das Strafmaß weicht erheblich vom Plädoyer der Anklage ab, die lebenslange Haft nach Erwachsenenstrafrecht für den Mann sowie acht Jahre und sechs Monate Haft für die Freundin nach Jugendstrafrecht gefordert hatte.

          „Das alles geschah im beschaulichen Gera“

          Der Fall hatte Ende vergangenen Jahres Schlagzeilen gemacht. Das Zwickauer Pärchen war in Bonny-und-Clyde-Manier auf der Flucht vor seinem bisherigen Leben und hatte dabei in Gera kaltblütig einen 45 Jahre alten Mann umgebracht, um an Geld und sein Auto zu kommen. Nach einem Tag Flucht wurden sie in Frankfurt festgenommen. Die Leiche des Opfers fand man erst drei Monate später im osthessischen Niederaula am Ufer der Fulda.

          Es sei eine schockierende Vorstellung, hierzulande Opfer eines solchen Raubüberfalls zu werden, sagt Richter Klaus Hartmann in seiner Urteilsbegründung, die fast eine Stunde lang dauert. „Das alles geschah ja nicht in New York oder Chicago, sondern im beschaulichen Gera.“

          Am 10. November 2017, einem Freitag, waren H. und P. in Zwickau nach einem geplatzten Rauschgiftgeschäft mit Fahrrädern losgezogen, um in die Schweiz zu gelangen. Drei Wochen würde das dauern, hatten sie im Internet ermittelt. Doch bald hatten ihre Räder Platten. Zu trampen und dabei an ein Auto zu kommen, das sei dann so der grobe Plan gewesen, hatte Johnny H. zum Prozessauftakt auf mehrfache Nachfrage des Richters geantwortet.

          Dabei wurde auch klar, wie knapp drei Autofahrer an jenem Tag mit dem Leben davongekommen waren. Zunächst hatte das Paar einen am Straßenrand stehenden BMW-Fahrer beobachtet. H. habe sich an ihn herangeschlichen, doch die Tat abgebrochen, weil das vereinbarte Zeichen seiner Freundin ausgeblieben sei, berichtete er. Danach habe sie ein Opelfahrer bis Ronneburg mitgenommen. Doch auch diese „Gelegenheit“ ließen die beiden – sie auf dem Beifahrersitz, er hinter dem Fahrer mit Messer in der Hand – verstreichen, angeblich weil sie Kindersitze im Auto entdeckt hatten. Danach seien sie zu Fuß ins nahe Gera gelaufen, wobei sich ihre Stimmung verschlechtert habe.

          „Du bist der Jäger“

          Der Frust war groß, als sie schließlich in Gera an eine „ideale Stelle“ für die geplante Tat gelangt seien: H. habe sich mit dem Messer hinter einem Mauervorsprung versteckt, während P. etwa 200 Meter entfernt in einem Hauseingang wartete. Doch erst sieben Stunden später, gegen 22 Uhr, habe sich die erste Möglichkeit ergeben, als Heiko H., das spätere Opfer, sein Auto parkte und in eine Bar ging. Als noch eine Stunde später direkt vor ihm eine Audi-Fahrerin hielt, zögerte H. jedoch abermals, woraufhin P. zu ihm gesagt haben soll: „Du bist der Jäger und nicht die Beute!“

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