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Urteil in Brandenburg : Keine Hinweisschilder für „Nudelmessen“

Ein Schild weist am Ortseingang von Templin auf die Zeiten der „Nudelmesse“ hin (Archivbild). Das wird es künftig nicht mehr geben. Bild: dpa/pastafari.eu

Sie haben ein eigenes „Monsterunser“ und praktizieren „Nudelmessen“. Auf diese hinweisen dürfen die „Pastafaris“ aber nicht. Das hat das Landgericht Brandenburg entschieden.

          „Ich glaube an das Fliegende Spaghettimonster, die Mutter, der niemals die Energie ausgeht, die Gebärende des sphärenklingenden Himmels und der evolutionsfreien Erde.“ So beginnt das Glaubensbekenntnis des Vereins „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“. Die Mitglieder, die sich „Pastafaris“ nennen, haben auch ein eigenes „Monsterunser“. Mit dem „Monstergruß“ beten sie zu ihrem Monster, er soll auch dazu dienen, öffentlich Bekenntnis abzulegen. Und die Pastafaris praktizieren „Nudelmessen“.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Auf Hinweisschildern wollte der Verein in der Stadt Templin an drei Ortseingängen auf die wöchentlichen „Nudelmessen“ aufmerksam machen. Schließlich, so die Argumentation, hätten auch christliche Kirchen das Recht, an den Ortseingängen mit Schildern auf die Zeiten der Gottesdienste hinzuweisen. Das Land Brandenburg wollte die Hinweise auf die „Nudelmessen“ aber nicht dulden. Und auch das Brandenburgische Oberlandesgericht hat die Argumentation des Vereins nicht überzeugt.

          Am Mittwoch urteilten die Richter, dass es den „Pastafaris“ an einer gemeinsamen Weltanschauung fehle. Wesentliches Merkmal einer Weltanschauung sei ein konsistentes Gedankensystem, das sich umfassend mit Fragen nach dem Wesen und Sinn der Welt und der Existenz des Menschen in der Welt befasse und zu daraus abgeleiteten Werturteilen gelange.

          Zwar heißt es in der Satzung des Vereins: „Zweck des Vereins ist die Förderung von religiösen Zwecken in ihrer Gleichbehandlung mit wissenschaftlich orientierten Weltanschauungen und einem besonderen Schwerpunkt auf dem evolutionären Humanismus der Giordano Bruno Stiftung“. Das ließen die Brandenburger Richter aber nicht gelten. Der Verein verfolgt ihrer Auffassung nach in Wahrheit das Ziel, sich satirisch mit Anschauungen auseinander zu setzen, die als intolerant und dogmatisch empfunden werden. Die Kritik an Überzeugungen anderer stellt nach Auffassung des Oberlandesgerichts kein umfassend auf die Welt bezogenes Gedankensystem im Sinne einer Weltanschauung dar. Der Verein will nun vor den Bundesgerichtshof und gegebenenfalls auch zum Bundesverfassungsgericht ziehen, kündigte der Vorsitzende Rüdiger Weida an.

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