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Urteil im Fall Lea-Sophie : „Stück für Stück gestorben“

  • Aktualisiert am

Wegen Totschlags verurteilt: Patrick L. Bild: dpa

Lea-Sophie starb an brutaler Gewalt, weil sie den Eltern zu laut war. Der ehemalige Freund ihrer Mutter geht nun ins Gefängnis, allerdings nicht als Mörder.

          An einem Montag im Dezember wollte Lea-Sophie nicht ruhig sein. Sie schrie. Das wurde ihr zum Verhängnis: Der 23 Jahre alte damalige Freund ihrer Mutter schlug das Kind in der Wohnung in Köln-Chorweiler nach eigenem Geständnis auf den Kopf und ins Gesicht, zog es an den Haaren vom Boden hoch, schlug abermals zu – im Wissen, dass die Kleine sterben könnte. Wegen Totschlags verurteilt ihn das Kölner Landgericht nun am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich wegen Mordes verlangt. Auf dem Gesicht des Dreiundzwanzigjährigen deutet sich ein Lächeln an, als er seinem Verteidiger zunickt.

          Die Mutter, klein und bleich, lässt keine Emotionen erkennen, als das Gericht sie wegen Totschlags durch Unterlassen verurteilt. Sieben Jahre dafür, dass sie ihre eigene Tochter im vergangenen Dezember sterben ließ. „Wie Müll weggeschmissen“ habe die 20 Jahre alte Mutter ihr Kind, hatte ihr Staatsanwältin Simone Laumen vorgehalten.

          Die Vorsitzende Richterin Ulrike Grave-Herkenrath sagte, die junge Frau sei nicht aktiv Täterin gewesen. Sie sei aber nicht eingeschritten, habe keine Hilfe geholt, als sie die Kleine „komatös und mit Spuren schwerster Misshandlung“ am Boden liegend vorfand. Ihre Version, dem Mädchen sei es schnell wieder besser gegangen, Lea Sophie habe gegessen und gesprochen, sei unglaubwürdig und medizinisch unmöglich.

          Das kleine Mädchen sei „langsam Stück für Stück gestorben“, betonte die Richterin. Bis zu drei Tage dauerte der stille, qualvolle Kampf. Dabei sei die Beziehung der Mutter zu ihrer Tochter von Zeugen als liebevoll beschrieben worden. Die Zwanzigjährige habe sich aber in schwierigen Situationen stets „weggebeamt“, beschreibt die Richterin die Persönlichkeit der Verurteilten.

          „Mein Mandant ist kein Monster“

          Das frühere Paar, das zur Tat erst drei Monate zusammen war und ständige Beziehungsprobleme hatte, würdigt sich im Gerichtssaal keines Blickes. Beide verfolgen die Urteilsbegründung und Schilderung der brutalen Einzelheiten regungslos. Der Verteidiger des Angeklagten, Sebastian Schölzel, hatte im Prozessverlauf gesagt, sein Mandant sei kein „Monster“. Seine Hemmschwelle sei nach einer halben Flasche Wodka aber gering gewesen, erläutert die Richterin. Trotzdem: Er ist voll schuldfähig.

          Immer wieder erklärt Grave-Herkenrath, warum das Gericht den Mann nicht wegen Mordes verurteilt hat. Es waren keine niederen Beweggründe zu belegen. Auch wenn die „Volksseele kocht“, die Verurteilung erfolge wegen Totschlags. Menschen, die zur Lynchjustiz gegen die Täter aufrufen oder die Todesstrafe fordern, „treten unsere Gesetze mit Füßen“, stellt die Vorsitzende Richterin  angesichts zahlreicher Attacken im Internet gegen das frühere Paar klar. Zwei wütende Zuschauer sorgen im Saal für einen Eklat, drohen dem 23 Jahre alten Angeklagten eindeutig: „Es ist noch lange nicht vorbei. Warte ab.“

          Viele Menschen hatten öffentlich um das kleine Mädchen getrauert. Für die Beerdigung in kleinem Kreis im Februar waren Spenden gesammelt worden. Beide Angeklagten bereuen die Tat, wie sie im Verfahren sagten. Der Verteidiger der Mutter, Lukas Pieplow, prognostizierte beim Auftakt Mitte April, es werde wohl auch am Ende des Prozesses „kein Verstehen der Tat“ geben.

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