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Urteil gegen Wahrsager : Drei Jahre Haft nach Betrug um „verfluchtes“ Geld

  • Aktualisiert am

Verfluchtes Geld? Bild: picture-alliance/ dpa

Geld und Autos im Wert von 146.000 Euro überließ ein Ehepaar aus Konstanz einem angeblichen Wahrsager. Dieser wollte festgestellt haben, dass auf dem Geld ein Fluch liege, der für die Krankheit des Ehepaars verantwortlich war.

          Der Fluch auf ihrem Vermögen war nur erfunden, doch ihre Verzweiflung bleibt echt: Ein angeblicher Wahrsager hat eine Konstanzer Familie um ihren Besitz betrogen und in Armut gestürzt. Das Konstanzer Landgericht verurteilte den 60 Jahre alten Betrüger aus dem Raum Karlsruhe am Donnerstag zu drei Jahren Gefängnis.

          Der in Internet und Zeitungen als Astrologe werbende Mann hatte die rätselhaft erkrankte Familie 2005 im Glauben bestärkt, auf ihrem Vermögen laste ein Fluch. Er könne ihn bannen, wenn er rasch alle Werte erhalte. Darauf händigte ihm das Paar, eine ehemalige Landwirtin und ein Schlosser, Geld und drei teure Autos im Wert von 146.000 Euro aus.

          Holzschutzmittel statt böser Fluch

          „Wir waren verzweifelt“, erklärte die 46 Jahre alte Frau vor Gericht, warum man den Mann um Hilfe gebeten habe. Doch der selbst ernannte Wahrsager gab das Vermögen nicht wie zugesagt gereinigt zurück, sondern verwendete es für sich selbst. Später erfuhr das Paar, dass giftige Holzschutzmittel in der Wohnung die Krankheitssymptome wie Schwindel und Haarausfall ausgelöst hatten.

          Die nach einem Erbe einst wohlhabende Familie lebt heute von Sozialhilfe. Der Vorsitzende Richter Horst Reichardt begründete das Urteil wegen besonders schweren Betrugs: „Er hat die Hilfsbedürftigkeit der Eheleute ausgenutzt und dabei eine ganze Familie ruiniert.“ Das Gericht folgte damit weitgehend dem Staatsanwalt, der drei Jahre und sechs Monate Gefängnis beantragt hatte.

          „Trotzdem verzweifelt und traurig“

          Einer der zwei Verteidiger verwies dagegen auf die leichtgläubigen Opfer. „Man muss mehr als ein Heiliger sein“, um bei so einer Gelegenheit nicht zuzugreifen, sagte er. Die Anwälte forderten eine Bewährungsstrafe. Zu solch einer war der Mann bereits 1997 verurteilt worden. Damals hatte sich eine Witwe aus Baden-Baden für ihn verschuldet. Sie musste darauf von Sozialhilfe leben.

          Auch die Konstanzer Richter hatten erneut eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt. Bedingung wäre die Rückgabe von mindestens 80.000 Euro an die Familie gewesen. Doch der selbst ernannte Wahrsager erklärte, Geld habe er nicht. Es tue ihm aber alles Leid. Die verarmten Opfer nahmen die vom Gericht verhängte Gefängnisstrafe mit müden Augen und hängenden Schultern auf. Die 46 Jahre alte Frau sagte nach dem Schuldspruch: „Ich fühle mich trotzdem verzweifelt und traurig.“

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