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Uni-Bestechungsskandal : Neun Monate Haft für ehemaligen Pimco-Chef

  • Aktualisiert am

Douglas Hodge, der ehemalige Chef der Investmentfirma Pimco, verlässt das Bundesgericht nach seiner Verurteilung. Bild: Reuters

Stars und Geschäftsleute haben ihre Kinder mit Hilfe von Bestechungsgeldern an amerikanischen Elite-Unis untergebracht. Der frühere Chef der Fondsgesellschaft Pimco, Douglas Hodge, erhält dafür die bislang höchste Haftstrafe in dem Zulassungsskandal.

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          Infolge des Bestechungsskandals um Zulassung zu amerikanischen Elite-Universitäten kam es zur bisher härtesten Verurteilung: Douglas Hodge, ehemaliger Chef des weltweit größten Anleihemanager Pimco, wurde am Freitag zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt. Hodge hatte Bestechungsgelder in Höhe von insgesamt 850.000 Dollar gezahlt, um vier seiner Kinder an die Elite-Universitäten University of Southern California (USC) und nach Georgetown zu bringen.

          Angeklagt sind rund 50 Beteiligte, unter ihnen Prominente wie die Schauspielerinnen Felicity Huffman („Desperate Housewives“) und Lori Loughlin („Full House“). Die Bestechungsgelder der angeklagten Eltern waren an William Singer geflossen, der mittels eines ausgeklügelten Netzwerks für die Aufnahme wenig qualifizierter Studenten sorgte. So ließ er Prüfungsergebnisse fälschen und bestach Trainer, die Studienplatzanwärtern überdurchschnittliche sportliche Leistungen bescheinigten, um ein Sport-Stipendium zu ergattern. Singers kriminelle Organisation sammelte so insgesamt 25 Millionen Dollar von Eltern ein.

          Der 62 Jahre alte Douglas Hodge erhielt die bislang längste Gefängnisstrafe von allen 14 Eltern, die bislang wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt wurden. „Als Vater habe ich meinen Kindern stets geraten, auf ihre innere Stimme zu hören, die ihnen sagt, was Recht und Unrecht ist“, sagte Hodge vor Gericht. „Nun, auf meine habe ich nicht gehört.“ Zusätzlich zu seiner Gefängnisstrafe ordnete das Bostoner Bundesgericht an, dass Hodge eine Geldstrafe von 750.000 Dollar zahlen sowie 500 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten muss.

          „Ihr Verhalten in dieser ganzen schmutzigen Angelegenheit ist entsetzlich“, sagte der Bostoner Bezirksrichter Nathaniel Gorton vor Gericht. Hodge habe nicht nur die University of Southern California und die Georgetown University betrogen, sondern „das gesamte Bildungssystem in diesem Land“.

          Unfair und illegal

          Die Bostoner Staatsanwälte hatten gar dafür plädiert, Hodge für zwei Jahre ins Gefängnis zu schicken. In einer vor seiner Verurteilung eingereichten Aktennotiz kritisierten sie Hodge als Heuchler, der der Welt das Bild von Erfolg und Integrität vorgaukelte, während er „ein geheimes Doppelleben führt und Bestechung und Betrug dazu nutzte, ein Trugbild von Erfolg und Leistung zu vermitteln“.

          Die Anwälte Hodges hielten den Bostoner Staatsanwälte hingegen vor, ihr Antrag auf eine zweijährige Haftstrafe zeuge von der „Besessenheit“, in dem Bestechungsskandal unverhältnismäßig lange Haftstrafen verhängen zu wollen. Die bis dahin längste Haftstrafe in diesem Fall verhängte das Gericht im November gegen Toby Macfarlane. Der Versicherungsmanager erhielt eine Strafe von sechs Monaten.

          Seit dem Tag, an dem sich Douglas Hodge im vergangenen März den Behörden stellte, gehörte sein Name zu den bekanntesten im Zusammenhang mit dem Bestechungsskandal. Bis 2016 war er Vorstandsvorsitzender von Pimco, einer zu Allianz gehörenden Investmentgesellschaft mit Sitz in Newport Beach im Bundesstaat Kalifornien. Der siebenfache Familienvater Hodge gestand in einer vor Gericht eingereichten Erklärung ein, unfair und illegal in Bezug auf die Ausbildung seiner Kinder gehandelt zu haben.

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