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Ungeklärter Mordfall : Der Tod der Vera Marotz

  • -Aktualisiert am

Vor vier Jahren wurde Vera Marotz ermordet Bild:

Vor vier Jahren wurde die wunderliche Rentnerin Vera Marotz ermordet. Ihr grausamer Tod gibt noch immer Rätsel auf, der Täter wurde nie gefasst.

          4 Min.

          Vera Marotz machte sich nur noch nachts auf den Weg. Die Nacht schützte sie. Vor den Blicken der anderen, vor dem Tuscheln, vor den Ratschlägen, dass es doch auch einmal gut sein müsse mit dem Sammeln. Vera Marotz sammelte schon lange. Eine ganze Scheune im Ortsteil Grödel hatte sie über die Jahre voll gesammelt. Was andere wegwarfen, war ihr wertvoll. Sie hatte sich eine ganze Welt zusammengesammelt, die nur sie verstand.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Leute in Nünchritz hatten nichts gegen sie. Aber sie wunderten sich über die Frau mit dem Messie-Syndrom. Vera Marotz konnte ihre Wohnung kaum sauber halten. Neben dem Sammeln widmete sie sich nur noch ihren beiden Katzen. „Katzenjule“ nannten sie einige Nünchritzer. Ihre Sammelleidenschaft und ihr Stottern beschämten sie.

          Immer wieder muss ihr Mörder auf sie eingesprungen sein

          Wenn sie nur ihr Leben leben konnte! Anfang 1996 war sie tief verzweifelt. Die Angst trieb sie um, ihre Scheune in Grödel könnte abgerissen werden. Im Bürgermeisteramt sagte man ihr, sie solle die Sachen doch weggeben oder verkaufen. Vera Marotz wendete sich in ihrer Seelennot an die evangelische Pfarrerin und sprach von „Enteignung“. Wie könne es heutzutage noch möglich sein, enteignet zu werden. „Das ist der Neid um die Sachen. Ich soll ganz arm sein.“ Dann durfte sie die Scheune doch behalten. Dafür kontrollierte jemand von der Stadt jeden Monat, dass sie nicht ihre Wohnung vollmüllte und nicht mehr als zwei Katzen hielt. Sperrmüll sammelte sie seitdem nur noch nachts. In der Nacht fühlte sie sich sicher.

          Mit ihrem Handwagen zog Vera Marotz nachts durch Nünchritz
          Mit ihrem Handwagen zog Vera Marotz nachts durch Nünchritz :

          Am 20. Oktober 2004 fand eine Polizeistreife am Rand eines Felds zwischen Nünchritz und Grödel um 2.15 Uhr einen umgestoßenen Handwagen, auf dem Asphalt ein altes eisernes Garderobengitter. Im Gras lag Vera Marotz. Das Gesicht der 66 Jahre alten Frau war zertrümmert, zertreten. Immer wieder muss ihr Mörder im Gewaltrausch auf sie eingesprungen sein. „Ihr Tod war grausam, schmerzvoll und kam hoffentlich doch schnell. Zumindest wünsche ich ihr, dass sie schnell das Bewusstsein verloren hat“, sagt Kriminalhauptkommissar Volker Wichitill.

          Eine Gruppe junger Leute zog randalierend durch den Ort

          Seit vier Jahren führt der Leiter der Mordkommission bei der Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge die Ermittlungen im Fall Marotz. Von Beginn an war er überzeugt, dass es einen Zusammenhang geben muss zu einer Gruppe junger Leute, die in jener Nacht offensichtlich alkoholisiert durch den Ort zog und randalierte. Ein Anwohner meldete der Polizei, dass Unbekannte einen Zierkürbis gegen die Jalousie seines Hauses geworfen hatten. Ein furchtbarer Knall sei das gewesen. Die Täter habe er nicht gesehen, aber kurz darauf Vera Marotz mit ihrem Handwagen.

          Erst am nächsten Morgen meldeten weitere Bürger Sachbeschädigungen. Durch die Scheibe im Erdgeschoss eines Hauses am Karl-Liebknecht-Ring schleuderten die Täter einen Betonfuß. In der Nähe des Rathauses schmissen sie die Scheibe eines Autos ein und traten die Außenspiegel ab, in einer Neubausiedlung zerstörten sie Gartenlampen.

          DNA-Spur einer Frau

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