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Ungeklärter Mordfall : Debra Milke kommt wohl frei

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Debra Milke (rechts) trifft im September ihre Mutter, nachdem sie gegen Kaution freigelassen wurde Bild: dpa

Im März wurde bereits das Todesurteil für die gebürtige Berlinerin Debra Milke von einem amerikanischen Bundesgericht aufgehoben, Ende Januar wird sie nach fast 23 Jahren voraussichtlich endgültig freigelassen.

          Die gebürtige Berlinerin Debra Milke, die vor fast 23 Jahren im amerikanischen Bundesstaat Arizona zum Tode verurteilt wurde, wird voraussichtlich Ende Januar endgültig freigelassen. Die für das Jahr 2015 geplante Wiederaufnahme des Mordprozesses gegen die Neunundvierzigjährige scheint unwahrscheinlich, nachdem das Oberste Bezirksgericht in Maricopa dem früheren Ermittler Armando Saldate am Mittwoch gemäß der amerikanischen Verfassung zugestand, nicht bei dem anstehenden Verfahren gegen Milke auszusagen, um sich nicht selbst zu belasten.

          Wie die Richterin Rosa Mroz entschied, kann die Staatsanwaltschaft daher bei dem geplanten Verfahren nicht auf ein Geständnis verweisen, das Milke dem ehemaligen Polizisten angeblich nach der Anstiftung zum Mord an ihrem Sohn Christopher im Dezember 1989 gab. Da das Geständnis aber den einzigen Beweis für Milkes Tatbeteiligung darstellt, kündigten ihre Anwälte jetzt an, die Abweisung der Klage zu beantragen. Die Neunundvierzigjährige, die das Gefängnis im September vorerst verlassen durfte, hatte stets geleugnet, zwei Bekannte zur Ermordung des vier Jahre alten Christopher angestiftet zu haben. Obwohl Saldate die vermeintliche Erklärung damals auch nicht wie üblich per Tonband aufzeichnete, hatte sich die Jury während des Prozesses im Jahr 1991 von der Schuld der vermeintlichen Kindsmörderin überzeugen lassen. Im Zeugenstand beschrieb damals unter anderen Milkes Schwester Sandy Pickinpaugh die Tochter einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten als Egozentrikerin, die ihren Sohn wiederholt zu Verwandten brachte, um sich mit wechselnden Liebhabern herumzutreiben.

          Auch Milkes Mitbewohner Jim Styres, der Christopher vor einem Treffen mit dem Weihnachtsmann in einem Einkaufszentrum mit seinem Freund Roger Scott in der Wüste erschoss, soll auf eine Zukunft mit der damaligen Versicherungsangestellten gehofft haben. Wie Milkes Mutter Renate Janka erst Jahre nach dem Todesurteil herausfand, war der Hauptbelastungszeuge Saldate schon bei anderen Fällen mit falschen Aussagen aufgefallen. Da die Staatsanwaltschaft des Bezirks Maricopa die Falschaussagen des Polizisten damals bewusst verschwiegen hatte, hob ein Bundesgericht im März das Todesurteil auf. Milke wurde daraufhin im September vorläufig gegen Kaution freigelassen. Wie der Freundeskreis der Neunundvierzigjährigen am Mittwoch mitteilte, ist für den 17. Januar eine weitere Anhörung geplant, um über den weiteren Verlauf des Mordprozesses zu entscheiden.

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