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Ungeklärte Mordserie : Wann schlägt der „Döner-Killer“ wieder zu?

  • Aktualisiert am

Acht von neun Opfern: Abdurrahim Oe., Mehmet K., Enver S., Yunus T., Theodorus B., Halit Y., Ismail Y. und Habil K. Bild: ddp

Die Polizei steht immer noch vor einem Rätsel. Weder 300.000 Euro Belohnung noch 160 Kripo-Beamte konnten es bisher lösen. Der „Döner-Killer“ hat neun Menschen getötet - und könnte bald wieder zuschlagen.

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          Nürnbergs Kripo-Chef ist ratlos: 300.000 Euro Belohnung und dennoch keine einzige heiße Spur zu dem Mann, der in den vergangenen sechs Jahren neun türkische und griechische Geschäftsleute kaltblütig ermordet hat. Der Druck auf Wolfgang Geier und seine 160 Ermittler im ganzen Bundesgebiet ist immens: Der Täter wird wieder zuschlagen, so die Befürchtung. Weil der Unbekannte das Töten gewöhnt sei, glaubt Geier. Warum solle der ein solches Machtgefühl „einfach aufgeben“?

          Schon in den nächsten Wochen könnte es wieder so weit sein. Im Frühjahr und im Sommer schlägt der Mann, den Zeitungen den „Döner-Killer“ nennen, bevorzugt zu. Geier sagt: „Wir rechnen damit, dass er wieder auftritt. Wir wissen nur noch nicht, wann und wo.“ Die Art und Weise der Morde, die Tatorte und die verwendete Waffe verraten den Fahndern viel über den Täter - aber eben nicht genug, um eine konkrete Person dingfest zu machen. So klammern sie sich an das Täterprofil, das Fallanalytiker des Polizeipräsidiums München erstellt haben: Zwischen 25 und 30 Jahre alt, wahrscheinlich in Nürnberg lebend, beruflich viel unterwegs.

          Die Mordserie begann 2000

          In Nürnberg begann die Mordserie im September 2000. Damals wurde der Blumenhändler Enver S. in seinem Mercedes-Transporter regelrecht hingerichtet. Noch zweimal danach trat der Mörder in der fränkischen Großstadt in Erscheinung, zuletzt im Juni 2005. Dazwischen und danach mordete er in Hamburg, München, Rostock, Dortmund und Kassel. Überall fanden Kriminaltechniker Spuren derselben Waffe: Einer tschechischen Ceska-Pistole vom Kaliber 7,65.

          Zuletzt perfektionierte der Unbekannte seine Taten: Er verwendete einen Schalldämpfer und versteckte die Waffe in einer Plastiktüte, durch die er schoss. Geier: „So konnte er unbemerkt die Geschäfte betreten und hinterließ beim Schießen keine Hülsen.“ Doch die Schussabgabe durch eine Tüte erfordert Geschick und Übung. Weshalb die Polizei zuletzt vor allem nach Menschen fragte, die beruflich oder privat eine Affinität zu Waffen haben - und den Umgang mit einer schallgedämpften Pistole an einem Schießstand oder im Wald geübt haben.

          „Besondere Aufbauorganisation Bosporus“

          Zur Zeit laufen bei der „Besonderen Aufbauorganisation Bosporus“ (BAO) in Nürnberg 300 Personen durchs Fahndungsraster. Nach Angaben Geiers weisen sie Übereinstimmungen mit dem mutmaßlichen Profil des Täters auf. „Wir schauen vor allem, ob sie in den Städten mit Tatorten mehrfach in Erscheinung getreten sind.“ Es könnte sich um einen Kurierfahrer, einen Vertreter oder einen Lastwagenfahrer handeln. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Stadtpläne: Während die Nürnberger Taten meist in abgelegenen Straßen stattfanden, wählte der Mörder auswärts autobahnnahe Lokalitäten.

          Seit dem Mord am Döner-Verkäufer Ismail Y. im Juni 2005 in Nürnberg gibt es brauchbare Fahndungsbilder vom Täter - beziehungsweise den Tätern: Damals beobachten Zeugen zwei junge Radfahrer, die nahe der Döner-Bude einen Stadtplan studierten. Eine Woche später wurde in München der Schlüsselmacher Theodorus B. erschossen. Daraufhin forderte die BAO EC- und Kreditkarten-Daten von sämtlichen Tankstellen und Bankautomaten in der Umgebung beider Tatorte an, um mögliche Parallelen festzustellen - Fehlanzeige.

          Auch zwischen den Opfern gab es keinerlei Beziehungen. Bei zwei Männern wurden Spuren von Drogen gefunden, aber keine Hinweise auf Verwicklung in illegale Geschäfte. Eine kriminelle Vereinigung, die die Morde in Auftrag gibt, kann Geier bisher auch nicht erkennen. So bleibt die Einzeltäter-Theorie die vielversprechendste. Der renommierte Münchner Profiler Alexander Horn war schon im vergangenen Sommer zu dem Schluss gekommen: „Vielleicht hatte der Täter eine Auseinandersetzung mit einem Türken oder ein negatives Erlebnis im Türkei-Urlaub.“

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