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Uneinigkeit über Mathe-Rätsel : Angreifer gesteht Attacke nach Facebook-Streit

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Der Angeklagte soll sein Opfer über dessen Profilbild bei Facebook in der Stadt erkannt, spontan ein Messer gezogen und mehrfach auf es eingestochen haben. Bild: dpa

Bei dem Prozess um den Streit um ein Mathe-Rätsel gibt der Angeklagte Rätsel auf. Er gesteht zwar, einen jungen Mann mit dem Messer angegriffen zu haben. An einen zweiten Stich will er sich aber nicht erinnern können.

          Blutiges Ende eines Streits im Internet – um eine Matheaufgabe: Ein 29-Jähriger hat am Dienstag vor Gericht eine Messerattacke auf einen zehn Jahre Jüngeren gestanden. Der Vorsitzende Richter Otmar Fandel am Landgericht Schwerin steht vor einem Rätsel: Täter und Opfer kannten sich vor der Tat offenbar nicht und wussten nicht, dass sie in derselben Stadt wohnen. Fandel sagt, er erwarte von dem Prozess neben der Klärung dessen, was passiert ist, auch eine nachvollziehbare Erklärung, warum.

          Die beiden Männer hatten sich zwei Tage vor der Tat bei Facebook um die Lösung der Aufgabe gezofft. So steht es in einer Erklärung des Angeklagten, die Richter Fandel am ersten Prozesstag vorliest. Demnach wurde es in dem Chat schnell beleidigend, das spätere Opfer sei dabei besonders aufgefallen. „Ich bedauere sehr, dass ich nicht sofort die Facebook-Gruppe verlassen habe“, sagt der 29-Jährige rückblickend. Stattdessen pöbelte er zurück, drohte auch. Und dann habe er den Jüngeren im April zufällig in Wismar gesehen und ihn an seinem Facebook-Profilbild erkannt.

          Mit einem Messer, einer Art Taschenmesser, das er immer bei sich trage, habe er dem jungen Mann eine Lektion erteilen wollen. Er habe einmal zugestochen und nicht bemerkt, dass er sein Opfer dabei schwer verletzte. Die Anklage spricht hingegen von zwei Stichen mit einer fünf bis zehn Zentimeter langen Klinge. Ein Stich sei in den Bauch gegangen und einer in den Rücken, als das Opfer habe fliehen wollen.

          Nach dem Angriff holte der Täter Kinder vom Kindergarten ab

          Der 19-Jährige ist als Nebenkläger zum Prozessauftakt erschienen, verlässt den Saal aber gleich wieder, denn er soll später als Zeuge aussagen. Die Erklärung des Angeklagten hört er nicht. „Ich kann mir nicht erklären, wie und wann der zweite Messerstich erfolgt sein soll“, heißt es dort. Nach der Tat ließ er das blutende Opfer liegen und holte mit einem Freund dessen Kinder vom Kindergarten ab. Ihm sei erst später klar geworden, was da passiert sei. Er bedauere sein Verhalten sehr. „Ich habe vorher noch nie Gewalt gegen einen Menschen ausgeübt.“

          Das Opfer der Messerstecherei im Landgericht Schwerin.

          Dass Streitigkeiten im Internet zu realer Gewalt führen, ist aber nach wie vor eine Ausnahme, betonte der Greifswalder Kriminologe Frieder Dünkel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Das Internet kann im Einzelfall jedoch Hemmschwellen senken, etwa bei Hetzkampagnen gegen Politiker oder Privatleute, von denen sich einzelne dann zu Taten hinreißen lassen.“ Opferschutzrechte im Internet müssten ausgeweitet werden, sagte der Wissenschaftler. „Möglicherweise brauchen wir auch einen Internet-Ombudsmann für Opfer im Internet.“

          Dünkel empfahl, energisch gegen herabwürdigende, beleidigende Inhalte im Internet vorzugehen und Löschungen sehr zügig vornehmen zu lassen. „Das Internet darf nicht zum Freiraum für Menschenrechts- und Menschenwürdeverletzungen werden, die wir im realen Leben als Gesellschaft auch nicht dulden wollen.“

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