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Louisiana : Unbekannte zünden Kirchen schwarzer Gemeinden an

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Feuerwehrmänner versuchen den Brand an der Mount Pleasant Baptist Church in Opelousas wieder unter Kontrolle zu bringen. Bild: AP

In nur zehn Tagen haben Unbekannte in Louisiana vier Kirchen abgebrannt. Vieles deutet auf Hassverbrechen und einen rassistischen Hintergrund hin.

          Um fünf Uhr morgens klingelt das Handy von Gerald Toussaint. Am anderen Ende seine Frau, die ihm mitteilt, dass ihre Kirche in Flammen steht. Toussaint, LKW-Fahrer und Pastor der historischen Mount Pleasant Baptist Church in Opelousas, kann es nicht fassen. Seine Kirche aus dem 19. Jahrhundert, im ländlichen Louisiana, brennt bis auf die Grundmauern ab.

          Das gleiche Schicksal ereilt die Greater Baptist Church ganz in der Nähe. „Als ich um 2.30 Uhr morgens benachrichtigt wurde, war ich sofort da“, sagt Gemeindemitglied Florence Milburn. „Wir fuhren mit der ganzen Familie hin und sahen zu, wie unsere Kirche niederbrannte.“

          Die Brände der Baptisten-Kirchen sind kein Einzelfall im tiefen Süden der Vereinigten Staaten. Schwer beschädigt ist auch die St. Mary Baptist Church in Port Barre. Und ein kleinerer Brand sei „absichtlich“ in der Viviana United-Pfingstgemeinde gelegt worden, stellten Ermittler fest. Innerhalb weniger Tage, zwischen dem 26. März und dem 4. April, fielen in Louisiana vier Kirchen in Gemeinden mit überwiegend schwarzen Einwohnern Bränden zum Opfer. „Es gibt sicherlich eine Gemeinsamkeit“, so der Marshall der Staatsfeuerwehr, William H. Browning.

          Auffällig ist auch die Lage der Kirchen, die allesamt entlang von Autobahnen stehen, in deren Umgebung nur wenige Menschen leben. Die Chance, Zeugen zu finden, ist ziemlich gering, so eine Lokalreporterin gegenüber dem Radiosender NPR. Erinnerungen an rassistische Übergriffe auf Gotteshäuser, nicht nur in Louisiana, werden wach. In den 1960er Jahren, auf dem Höhepunkt der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, gingen schwarze Kirchen im Süden reihenweise in Flammen auf. Die Ursache: Brandstiftung.

          Ende März war die St. Mary Baptist Church in Port Barre bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

          1995/96 beherrschte eine Serie von Kirchenbränden im ganzen Land monatelang die Schlagzeilen. Mehr als 30 Kirchen, die von Schwarzen besucht werden, brannten innerhalb von 18 Monaten nieder. Der amerikanische Kongress verabschiedete damals das „Gesetz zur Verhinderung von Kirchen-Brandtsiftung“. Um dem Massenphänomen Herr zu werden, wurde unter Präsident Bill Clinton die „National Church Arson Task Force“ ins Leben gerufen.

          Traurige Tradition

          Inzwischen sind mehr als 100 Ermittler in Louisiana im Einsatz. Mit dabei sind auch rund 40 Bundesbeamte, darunter das FBI und die Behörde „Alcohol, Fire and Tobacco“, die seit 1972 in solchen Fällen eingeschaltet wird. Der ungewöhnlich hohe Personalaufwand verdeutlicht den Ernst der Lage. Erst 2015 hatte ein Rassist neun Menschen der Mother Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston, South Carolina, erschossen.

          Kirchengemeinden werden mittlerweile systematisch darauf vorbereitet, ihre Gotteshäuser zu schützen. Denn Brandanschläge auf Kirchen, die überwiegend von Schwarzen besucht werden, sind traurige Tradition. Nach Angaben des „US Bomb Data Center“, einer staatlichen Stelle zur Sammlung von Daten über Brandstiftung und Explosionsverbrechen, ist die Anzahl von Anschlägen auf amerikanische Kirchen seit Jahren konstant hoch. Allein 2017 wurden 243 Vorfälle gemeldet. Davon stuften die Behörden 99 als Brandstiftung ein. Noch halten sich die Ermittler über die Ursache der Brände bedeckt. Brandstiftung gilt als wahrscheinlich, wofür auch die Anzahl der Feuer innerhalb von nur zehn Tagen in einer Region spricht.

          Hassverbrechen und Rassismus auf dem Vormarsch

          Hassverbrechen und Rassismus sind in den vergangenen Jahren statistisch auf dem Vormarsch, was viele Analysten auch mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Zusammenhang bringen. Dieser, so die Argumentation, sorge mit seiner teils rüden Sprache dafür, alte Ressentiments wiederzubeleben und bislang „schweigende“ Rassisten zu ermutigen.

          Für Florence Milburn ist der Verlust ihrer Kirche ein Drama. Im Juli sollte der 130. Jahrestag des Gotteshauses gefeiert werden. „Es ist, als würde man ein Familienmitglied verlieren“, sagt sie. Für sie ist die Greater Union Baptist Church die Familienkirche seit Generationen. Diese persönliche Verbundenheit lässt die Gemeinde inzwischen wieder nach vorne schauen. Glaube und Selbstbehauptungswille machen sich bemerkbar. „Wir müssen die Kirche Gottes wieder aufbauen“, sagt sie.

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