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In Berlin : Erste Festnahme nach Überfall auf Geldtransporter

  • Aktualisiert am

Spektakulärer Überfall: Am 19. Oktober überfielen fünf Maskierte einen Geldtransporter in Berlin Mitte. Bild: dpa

Sechs Wochen nach einem Überfall auf einen Geldtransporter nahe des Berliner Alexanderplatzes hat die Polizei einen ersten Tatverdächtigen festgenommen. Er soll in Beziehung stehen zu einem der polizeibekannten Clans.

          Hinter dem spektakulären Raubüberfall auf einen Geldtransporter nahe des Berliner Alexanderplatzes stehen möglicherweise kriminelle Mitglieder eines arabischstämmigen Clans. Die Polizei fasste am Freitag einen mutmaßlichen Täter, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Der dringend verdächtige 38-Jährige hat demnach eine ungeklärte Staatsangehörigkeit. Er ist kurdisch-libanesischer Herkunft und soll in Beziehung stehen zu einem der polizeibekannten Clans, die in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Überfällen, Einbrüchen und Gewalttaten auffielen.

          Der Verdächtige soll am 19. Oktober zusammen mit vier anderen Männern den Geldtransporter überfallen und ausgeraubt haben. Auf der Flucht schossen die Männer auf ein Polizeiauto, das sie verfolgte. Dem Verdächtigen wird deshalb neben dem schwerem Raub auch versuchter Mord vorgeworfen, hieß es.

          Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in Mariendorf fand die Kriminalpolizei demnach Beweise, die im Zusammenhang mit dem Überfall standen. Gegen den Mann wurde ein Haftbefehl erlassen, er sitzt in Untersuchungshaft. Was genau gefunden wurde, wollten die Ermittler nicht sagen. Ebenso wenig, ob es schon konkrete Hinweise zu den Komplizen gibt.

          Am Morgen des 19. Oktober hatten fünf maskierte und zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer den Geldtransporter in der Schillingstraße in der Nähe des Alexanderplatzes mit zwei Autos eingekeilt. Ein zweieinhalb Minuten langes Video, das ein Anwohner vom Balkon aufgenommen hatte, zeigte einen Teil des Überfalls.

          Die Räuber bedrohten die Fahrer des Transporters und brachen die beiden Hecktüren mit einem großen Spreizgerät auf. Sie holten acht kleine und große Geldkisten heraus und luden sie in eines ihrer beiden Autos. Bei der Flucht verloren sie eine große Geldkiste.

          Einige Straßen weiter schossen sie aus dem Fenster auf einen Polizeiwagen, der sie verfolgte, daraufhin aber stehen blieb. In Kreuzberg wurde einer der Fluchtwagen beschädigt. Die Räuber ließen das Auto mit einem platten Vorderreifen und den sieben Geldkisten stehen, um mit dem zweiten Fahrzeug zu entkommen. In den acht Kisten soll sich sehr viel Geld befunden haben. Zahlen wollen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht nennen, die Rede ist aber von einer „sehr hohen Summe“.

          Die Polizei suchte später nach einem silberfarbenen 2er-BMW, der zur Tatzeit in der Umgebung am Tatort gesehen wurde. Möglicherweise hatten die Räuber weitere Unterstützer in der Nähe.

          Nach Angaben der Berliner Polizei richteten sich im vergangenen Jahr 14 der 68 größeren Ermittlungsverfahren zur organisierten Kriminalität gegen Banden mit Mitgliedern kurdisch-arabischer Herkunft. Mindestens 12 Großfamilien mit kriminellen Mitgliedern soll es in Berlin geben, ein Teil davon ist in Neukölln zu Hause. Viele Mitglieder haben inzwischen einen deutschen Pass. Das Problem ist nicht auf Berlin beschränkt. Im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und in Bremen sind die oft weit verzweigten Clans ebenso aktiv.

          Kriminelle Mitglieder dieser Clans verübten Überfälle wie vor Jahren auf ein Pokerturnier mitten in Berlin und auf die Schmuckabteilung im KaDeWe. Es gab spektakuläre Einbrüche: Etwa in eine Bank im Süden der Stadt, der in einer Explosion endete und in das Bode-Museum, wo die Täter eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze stahlen.

          Auch Drogenhandel, Schutzgelderpressung und illegales Glückspiel zählen zum Geschäftsfeld und werfen hohe Gewinne ab. Mit ihrem Geld kaufen Clanmitglieder unter anderem Wohn- und Geschäftshäuser. Beim Berliner LKA meldeten sich im Rahmen des Geldwäschegesetzes mehrfach Banken und Immobilienmakler. Die Ermittler ließen im Sommer 77 Häuser und Wohnungen

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