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Indien : Vergewaltigung im Uber-Taxi

  • -Aktualisiert am

Polizisten eskortieren der mutmaßlichen Vergewaltiger ins Gericht Bild: dpa

Ein neuer Vergewaltigungsfall erschüttert Indien. Weil der mutmaßliche Täter ein Fahrer von Uber ist, richtet sich die Wut auch gegen den Taxidienst. Das Unternehmen bekam die ersten Folgen schon zu spüren.

          Seit Jahren wird Indien immer wieder von Vergewaltigungsfällen erschüttert. In einem neuen Fall, der sich am Freitag zutrug, richtet sich die Wut der Menschen aber nicht nur gegen den mutmaßlichen Täter, sondern auch gegen die indische Polizei – und den Fahrgast-Vermittlungsdienst Uber.

          Am Freitagabend war eine Frau in einem Uber-Auto vom Fahrer sexuell misshandelt worden. Wie am Montag bekannt wurde, soll es sich bei dem Mann um einen Wiederholungstäter handeln. Der 32 Jahre alte Fahrer des Taxi-Vermittlers sei im Jahr 2011 schon einmal in seinem Taxi in Delhi über eine Frau hergefallen, sagte Mathur Verma, Polizeichef von NordDelhi, am Montag. Der Mann habe insgesamt sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen. Nach Informationen des Fernsehsenders NDTV kam es damals zu einem außergerichtlichen Vergleich.

          Nun soll der Vater zweier Töchter und eines Stiefsohns wieder in seinem Auto zugeschlagen haben. Medizinische Tests bestätigen den sexuellen Übergriff. Die 27 Jahre alte Angestellte eines Finanzunternehmens im Delhi-Vorort Gurgaon hatte nach einem Abendessen mit ihren Freundinnen via Uber ein Taxi bestellt. Sie sei eingenickt und erst in einer abgelegenen Straße aufgewacht. Dort habe der Mann sie vergewaltigt und gedroht, sie mit einer Eisenstange zu foltern, sollte sie sich wehren. Am Sonntag gelang es der Polizei, den Mann in seinem knapp 160 Kilometer von Delhi entfernten Dorf zu verhaften. Da die Behörden keine Kontaktdaten des Unternehmens hatten, mussten sie zunächst selbst ein Taxi über die Uber-App bestellen, berichtet der „Indian Express“.

          Polizei kritisiert Uber

          Am Montag überschlugen sich dann die Ereignisse: Als die kriminelle Vorgeschichte des Mannes bekannt wurde, kritisierte der Polizeichef von Nord-Delhi das Taxi-Vermittlungsunternehmen: „Hätte Uber das Strafregister überprüft, hätten sie herausgefunden, dass der Mann vorbestraft war“, sagte Mathur Verma. Das habe das Unternehmen jedoch nicht getan, da Uber in der indischen Hauptstadt ohnehin nie solche Überprüfungen durchführe.

          Der Vorstandvorsitzende von Uber, Travis Kalanick, gibt hingegen dem indischen System eine Mitschuld. Für eine gewerbliche Fahrerlizenz gebe es in Indien solche Checks eben nicht, schrieb er in einem Blogeintrag. In der Tat sind solche Sicherheitsüberprüfungen nur für Fahrer von Bus- und Taxiunternehmen verpflichtend – also für Unternehmen, die Fahrer direkt anstellen und sie nicht nur vermitteln.

          Allerdings tauchte am Montag in Delhi ein polizeiliches Führungszeugnis des mutmaßlichen Täters auf. Darin wird versichert, dass der Mann keine Straftaten begangen habe. Ausgestellt wurde das Dokument im Mai 2014, unterzeichnet hat es der stellvertretende Polizeikommissar von Süd-Delhi. Inzwischen hat die Stadtregierung von Delhi Uber die Lizenz entzogen. Das Unternehmen kam auf eine „Schwarze Liste“.

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