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Foto von toter Journalistin : „Ich habe Kim Wall an ihrer Frisur erkannt“

Dieses Foto von Peter Thompson ging um die Welt. Bild: REUTERS/Peter Thompson

Peter Thompson aus Kiel hat das vermutlich letzte Bild von Kim Wall und Peter Madsen geschossen. Er war mit seiner Frau gerade auf Hochzeitsreise auf einem Kreuzfahrtschiff, als er plötzlich ein kleines U-Boot entdeckte.

          2 Min.

          Herr Thompson, wie oft klingelt bei Ihnen gerade das Telefon?

          Marlene Grunert
          Redakteurin in der Politik.

          Da ist schon eine ziemliche Welle losgegangen, seitdem das Bild veröffentlicht wurde.Bei Google taucht es ja inzwischen über 2000 Mal auf.

          In welcher Situation ist das Foto entstanden?

          Ich war mit meiner Frau auf Hochzeitsreise auf der Aidabella. Am letzten Tag, das war Donnerstag, der 10. August, wurde uns in Kopenhagen bei einer Bootsrundfahrt erzählt, dass Dänemark keine U-Boote mehr im Dienst hat. Ich bin sehr neugierig, deshalb habe ich die Info aufgesogen wie ein Schwamm. Zurück an Deck saßen wir beim  Abendessen draußen, das Wetter war so schön. Plötzlich sehe ich an Backbord, etwa 200 Meter entfernt, dieses kleine U-Boot. Da dachte ich mir: Hoppla!

          Tot geborgen: die schwedische Journalistin Kim Wall
          Tot geborgen: die schwedische Journalistin Kim Wall : Bild: AFP

          Und griffen zur Kamera?

          Ich bin sofort aufgestanden und habe die Szene fotografiert. Erst einmal habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Das waren für mich reine Schnappschüsse. Während der Kreuzfahrt habe ich schließlich ungefähr 1500 Bilder gemacht.

          Konnten Sie erkennen, was sich auf dem U-Boot abgespielt hat?

          Für mich sah die Situation eigentlich ziemlich entspannt aus, umso schockierter war ich im Nachhinein. Peter Madsen hat jedenfalls auf mich keinen aggressiven Eindruck gemacht. Ich habe dann noch beobachtet, wie sich von Norden ein Motorboot genähert hat, anlegte und wenig später wieder abfuhr. Die Ermittler gehen ja davon aus, dass die Journalistin an dem Donnerstag irgendwann nach 17.30 Uhr getötet wurde. Ich habe die beiden und das andere Boot aber noch nach acht Uhr beobachtet. Meine Aufnahme ist von 20.27 Uhr. Das habe ich alles aber auch der dänischen Polizei mitgeteilt.

          Dänische Polizei bestätigt : Tote aus dem Meer ist Journalistin Kim Wall

          Wann wurde Ihnen klar, dass Sie ein besonderes Foto gemacht hatten?

          Als wir abends wieder in Kiel waren, habe ich die Bilder sofort auf meinen Computer kopiert. Das U-Boot ging mir dabei einfach nicht mehr aus dem Sinn. Als Übersetzer bin ich auf technische Texte und Patente spezialisiert, daher kommt wahrscheinlich auch mein Interesse an Ingenieursfragen. Ich habe den Namen „UC3“, der auf dem Turm zu sehen war, dann mal  gegoogelt. Als ich las, dass dieses U-Boot nur wenige Stunden nach meinen Aufnahmen untergegangen war und die schwedische Journalistin vermisst wurde, schoss mir sofort in den Sinn, dass meine Bilder eine heiße Sache sein müssen. Ich habe beide Personen auf meinem Foto sofort wiedererkannt, Kim Wall an ihrer Frisur. Mit dem Bild habe ich mich dann sowohl an Agenturen als auch die Polizei gewandt. Vielleicht kann das Bild ja als Puzzleteil der Lösung des Falles dienen. Im Nachhinein ist es natürlich ein mulmiges Gefühl, so etwas zufälligerweise fotografiert zu haben.

          Was hält Ihre Frau von alldem? 

          Die hat nach unserer Reise nur gesagt: „Na, mit dir wird’s auch nicht langweilig.“

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