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Türkei : Gewalt gegen Frauen nimmt zu

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Gewalt gegen Frauen löst in der Türkei immer wieder Proteste aus. 2015 gingen Frauen auf die Straße, um gegen die Ermordung der jungen Studentin Özgecan Aslan zu demonstrieren. Bild: AFP

Eine Studie zeigt: Mehr als 40 Prozent der türkischen Frauen haben schon häusliche Gewalt erlebt. Beobachter führen das auf die Politik des Präsidenten Erdogan zurück.

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          Immer mehr türkische Frauen werden Opfer von Gewalt. In einer Umfrage der Istanbuler Kadir-Has-Universität bezeichneten dies 61 Prozent der Befragten als größtes gesellschaftliches Problem. Im vergangenen Jahr hatten sich noch 55 Prozent entsprechend geäußert.

          Allein im Februar dieses Jahres wurden 47 Frauen getötet – laut der Plattform „Kadin Cinayetleri“ der höchste Monatswert seit langem. Im vergangenen Jahr waren es den Angaben zufolge 409 getötete Frauen. Die Gründe seien oft „Ehrverletzungen“ – zum Beispiel, wenn eine Frau die Scheidung verlange.

          Frauenorganisationen beklagen häusliche Gewalt gegen türkische Frauen und Kinder schon seit vielen Jahren. Mehr als 40 Prozent der türkischen Frauen seien laut Schätzungen bereits Opfer häuslicher Gewalt geworden. Immer wieder komme es zu aggressiven Belästigungen, etwa weil Frauen zu kurze Röcke trügen.

          Beobachter führen die Zunahme der Gewalt gegen Frauen auf die Zurückdrängung des Laizismus unter Präsident Recep Tayyip Erdogan zurück. Zwar hatte Erdogan 2003 sogenannte Ehrenmorde stärker unter Strafe gestellt und das Familienstrafrecht liberalisiert. Zugleich wuchs unter seiner Regierung aber auch der Einfluss ultrareligiöser Prediger.

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