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Trierer Oberbürgermeister : „Man kann die Innenstadt nicht komplett abriegeln“

Wolfram Leibe (SPD), Oberbürgermeister von Trier, spricht im Beisein von Malu Dreyer bei einer Trauerzeremonie vor der Porta Nigra. Bild: dpa

Einen Tag nach der Amokfahrt von Trier spricht Oberbürgermeister Wolfram Leibe im Interview darüber, wie es den Menschen in der Stadt jetzt geht. Die Innenstadt mit Betonpollern abzuriegeln, hält er für unmöglich.

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          Herr Leibe, wie ist die Stimmung in der Stadt einen Tag nach der Amokfahrt?

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Die Stadt hält zusammen, Trier ist solidarisch. Heute Vormittag waren Tausende an der Porta Nigra, dem Wahrzeichen der Stadt, und haben Solidarität mit den Betroffenen gezeigt. Die Trauer der Menschen ist spürbar. Es waren ganze Schulklassen da. Eines der Todesopfer ist eine Lehrerin, die nach der Schule nach Hause laufen wollte. Da kam das ganze Kollegium. Gestern ist es gelungen, dass die Verletzten und Traumatisierten gleich betreut worden sind. Jetzt bin ich auf dem Weg in die Krankenhäuser und will mit den Angehörigen sprechen.

          Wie haben Sie gestern von dem Vorfall in der Innenstadt erfahren?

          Ich saß in meinem Büro, da kam der Anruf. Der Chef der Feuerwehr war am Apparat, es gebe eine Amokfahrt in der Innenstadt. Ich bin dann gleich dorthin gefahren. Wäre das ein terroristischer Anschlag gewesen, wäre ich mitten hineingeraten. So habe ich unmittelbar gesehen, was passiert ist. Unter den Opfern waren Menschen, die ich persönlich kannte. Mit einem habe ich vor zwei Monaten das letzte Mal gesprochen. Das war ganz schrecklich.

          Wie geht es jetzt weiter?

          Heute schalten wir erstmal eine kostenlose Telefonnummer, unter der die Menschen anrufen können. Stellen Sie sich vor, es haben ja mehrere Hundert Menschen mitbekommen, was passiert ist. Die haben gesehen, wie Passanten ermordet wurden, hatten Panik und sind dem Fahrzeug ausgewichen. Für die brauchen wir ein Hilfsangebot. Schon gestern Abend haben wir das Theater geöffnet und Kabinen eingerichtet, in denen Traumatisierte ein Erstgespräch bekommen. Morgen Mittag gibt es eine Gedenkminute in der Stadt, um 13.40 Uhr sollen die Glocken läuten. Wir brauchen Orte und Strukturen, damit die Menschen in Trier trauern können.

          Wird die Innenstadt jetzt abgeriegelt, zum Beispiel mit Pollern?

          In der Innenstadt leben etwa 10.000 Menschen, dazu gibt es viele Geschäfte und Arztpraxen, zu denen die Leute hinkommen müssen. Man kann die Innenstadt also nicht komplett abriegeln oder eine Betonmauer um sie herum bauen. Das hat man zum Beispiel auch in Münster nicht gemacht, wo vor einer Weile ein Mann in ein Restaurant gefahren ist. Wenn bei uns Altstadtfest ist, schützen wir einzelne Plätze gezielt, damit nichts passiert. Aber die ganze Innenstadt können wir nicht abriegeln.

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