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Krimineller Trend in Marseille : See-Roller statt E-Roller

Ein Mann lädt einen Elektro-Roller auf ein Schlauchboot, während freiwillige Taucher an der Küste von Marseille aus dem Meerwasser bergen. Bild: AFP

Elektro-Roller sind nicht jedermanns Liebling: Jan Böhmermann witzelte kürzlich, man solle die Dinger einfach in die Spree werfen. In Marseille ist das längst kein Witz mehr – Jugendliche versenken dort seit Wochen Roller im Meer.

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          Seit einigen Wochen sind die E-Roller nun auch auf deutschen Straßen unterwegs – zum Leidwesen vieler Fußgänger, Autofahrer und Radler, die sich nun den ohnehin engen Stadtraum mit einem weiteren Gefährt teilen müssen. Frust bleibt da nicht aus.

          Kira Kramer
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Ob die Jugendlichen, die momentan in Marseille reihenweise E-Roller in das Hafenbecken der französischen Großstadt werfen, auch frustriert über die verstopften Straßen sind, oder ob es sich vielmehr um eine kleinkriminelle Mutprobe gepaart mit jugendlichem Leichtsinn handelt, ist nicht klar. Eindeutig ist jedoch, dass das Versenken der elektrischen Roller im Meer unter jungen Leuten längst zu einem kriminellen Trend geworden ist in der französischen Hafenstand.

          „Das Spiel besteht darin, Roller zu nehmen und ins Meer zu werfen“, erläutert der Manager der Firma Lime, die E-Scooter zum Ausleihen bereitstellt, gegenüber der französischen Lokalzeitung „France Bleu Provence“. Bei den Tätern soll es sich vor allem um Jugendliche und Kinder handeln, nicht über 14 Jahre alt – nach deutschem Recht noch nicht strafmündig.

          Was erst einmal vor allem für die Roller-Vermietungen ärgerlich klingt, ist alles andere als witzig, denn die Lithiumbatterien der E-Roller sind hochgiftig und extrem umweltschädlich. Aufgefallen ist der kriminelle Trend Tauchern, welche die Roller zahlreich und immer wieder neu am Meeresboden fanden.

          „Diese Dinger sind mit einem Schwung in der Spree“

          Prompt reagierte der Betreiber: die E-Scooter in der Nähe von Wasser zurückzugeben, ist inzwischen nicht mehr möglich in Marseille. Außerdem gibt es inzwischen Patrouillen, die den jugendlichen Unfug verhindern sollen, unterstreicht der Lime-Verantwortliche. Doch die Bergung der versunkenen Zweiräder übernehmen bislang Freiwillige. Ausgerüstet mit Taucheranzügen und Schlauchbooten zogen sie in den letzten Wochen zahlreiche elektrische Roller aus dem Meer.

          Ein freiwilliger Taucher birgt einen der mutwillig versenkten E-Roller von Lime.
          Ein freiwilliger Taucher birgt einen der mutwillig versenkten E-Roller von Lime. : Bild: AFP

          Bislang hat es dieser Trend noch nicht nach Deutschland geschafft – doch auch hierzulande haben die erst seit wenigen Wochen zugelassenen Gefährte schon ihre Feinde: In ihrem Podcast „Fest&Flauschig“ lästerte Jan Böhmermann zusammen mit Co-Moderator Olli Schulz über die neuen Verkehrsteilnehmer: „Ich werde jedes Mal, wenn ich diese komischen neuen E-Roller überall in Berlin oder in anderen Städten rumstehen sehe, wenn ich diese Leute darauf rumfahren sehe, aggressiv hoch zehn“.

          Dann witzelt er weiter „ich darf dazu nicht öffentlich aufrufen, sonst mache ich mich strafbar, aber diese Dinger sind mit einem Schwung in der Spree, das ist super easy.“ Offenbar war dem Satiriker aber selbst bewusst, wie schnell die Roller versenkt sind, ein wenig ernster schob er nach, es handele sich selbstverständlich nicht um einen Aufruf.

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