https://www.faz.net/-gum-95te1

Warnung vor Vorurteilen : Trauergottesdienst für getötete 15-Jährige in Kandel

  • Aktualisiert am

In Kandel gehen Menschen am Donnerstag zu einem öffentlichen Trauergottesdienst in die protestantische St. Georgskirche. Bild: dpa

Im Trauergottesdienst für die vor zwei Wochen erstochene Schülerin hat der Pfarrer davor gewarnt, alle Flüchtlinge pauschal als Verbrecher zu verurteilen. Als tatverdächtig gilt der afghanische Ex-Freund des Mädchens.

          Bei einem Trauergottesdienst im pfälzischen Kandel haben am Donnerstag mehrere Hundert Menschen Abschied von der Ende Dezember getöteten 15-Jährigen genommen.

          Neben dem Altar in der voll besetzten St. Georgskirche erinnerte ein überlebensgroßes Porträtfoto an das Mädchen, das am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt mit einem Messer tödlich verletzt worden war. Als tatverdächtig gilt der Ex-Freund der 15-Jährigen, ein Flüchtling aus Afghanistan.

          Man könne jemanden, der einen anderen getötet habe, nicht damit entschuldigen, dass er aus einem anderen Land komme, sagte Pfarrer Arne Dembek in seiner Predigt.

          Umgekehrt könne man aber auch nicht sagen, dass alle, die von dort kämen, Verbrecher seien. Wer das sage, mache es sich und dem Täter zu leicht.

          Dembek mahnte, über der Frage nach dem Warum und den Motiven des Täters das Opfer nicht zu vergessen. Man solle sich an die 15-Jährige nicht erinnern, weil sie Opfer eines Verbrechens geworden sei, sagte er. „Nein, wir sollten uns an sie erinnern, weil sie ein wunderbarer Mensch war. Eine geliebte Tochter und Enkeltochter, eine tolle Nichte und Großnichte, eine gute Freundin und Mitschülerin.“

          Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die nicht persönlich an der Trauerfeier teilnahm, sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind mit den Eltern, der Familie und den Freunden des getöteten Mädchens“, erklärte sie und äußerte ihre Solidarität mit dem Bürgermeister von Kandel und den Flüchtlingshelfern vor Ort, die „derzeit unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt“ seien.

          Als Vertreter der Landesregierung nahmen der stellvertretende Ministerpräsident Volker Wissing (FDP) und Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) an dem Trauergottesdienst teil. Die Bluttat müsse aufgeklärt und der Täter zur Rechenschaft gezogen werden, forderten die Politiker. Auch wenn der Verlust eines geliebten Menschen niemals wieder gut zu machen sei, stehe der demokratische Rechtsstaat dafür, dass dem Opfer und seinen Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren müsse.

          Das getötete Mädchen soll im Kreis der engsten Angehörigen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einem anderen Termin beigesetzt werden.

          Weitere Themen

          Jetzt kommt der Dauerregen

          Tief „Axel“ : Jetzt kommt der Dauerregen

          Tief „Axel“ könnte eine „brisante Dauerregenlage“ und Hochwasser in weiten Teilen des Landes bescheren, so der Deutsche Wetterdienst. Besondere Gefahr bestehe demnach im Allgäu.

          Topmeldungen

          John Bolton : Er will sie das Fürchten lehren

          Trumps Sicherheitsberater trommelt seit Jahren für einen Militärschlag gegen Iran. Europäische Diplomaten halten ihn für einen Ideologen. Doch jetzt hat er das Ohr des Präsidenten für sich.

          „Zerstörung der CDU“ bei Youtube : Kommt damit klar!

          „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“: Ein politisches Video des Youtubers Rezo sorgt unter Jugendlichen für Aufregung. Sein Titel: „Die Zerstörung der CDU“.

          Ibiza-Affäre der FPÖ : Die AfD und ihr Vorbild

          Die FPÖ war für die AfD immer ein Vorbild. Das Ende der Koalition in Wien bedeutet auch, dass das Modell der AfD erst einmal gescheitert ist. Das muss aber nicht heißen, dass sie bei der Europawahl untergeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.