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Trauerfeier in Aurora : „Motivsuche ist reine Zeitverschwendung“

  • -Aktualisiert am

Sie rettete ihre Freundin: Obama umarmt Stephanie Davies, die dazu beitrug, dass Allie Young überlebte. Bild: dpa

Nach dem Amoklauf in Aurora versucht Präsident Obama, den Überlebenden und Angehörigen Trost zu spenden. Tausende versammeln sich zu einer Trauerfeier. Und der Täter schweigt zu seiner schrecklichen Tat.

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          Eine Ladehemmung des halbautomatischen Sturmgewehrs, mit dem der frühere Student James Holmes während einer Kinopremiere in Aurora in Colorado auf Zuschauer schoss, hat vermutlich Dutzenden Menschen das Leben gerettet. Wie ein Beamter der Bundespolizei FBI berichtete, soll das Gewehr des Typs AR-15, das bis zu 60 Schuss pro Minute abgibt, während des Verbrechens am frühen Freitagmorgen geklemmt haben. Holmes, der außer dem Sturmgewehr auch eine Schrotflinte und zwei Glock-Pistolen bei sich trug, musste deshalb die Waffe wechseln. „Ich wäre heute sicher nicht hier, wenn das Gewehr nicht blockiert hätte“, sagte Josh Nowlan, der mit mehreren Schussverletzungen ins Krankenhaus von Aurora gebracht worden war, dem Sender CNN.

          Den Namen des Täters erwähnt Obama nicht

          Nach der Tat bei der Premiere der letzten Episode der „Batman“-Trilogie, bei der zwölf Personen getötet und 58 zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, traf der amerikanische Präsident Barack Obama am Sonntagabend (Ortszeit) in Aurora ein. Während eines zweistündigen Besuchs im Krankenhaus der University of Colorado sprach er mit Überlebenden und Angehörigen. Ohne den Namen des Attentäters zu nennen, gedachte er vor dem Krankenhaus anschließend der Opfer. „Nachdem er die ganze Macht unseres Rechtssystems zu spüren bekommen hat, werden wir uns an die guten Menschen erinnern, die von dieser Tragödie getroffen wurden“, sagte Obama, bevor er zu Wahlkampfauftritten weiterreiste. Wie ein Angehöriger der getöteten Studentin Jessica Ghawi später per Twitter meldete, hatte der Präsident den Familien zugesagt, Holmes’ Namen nicht zu erwähnen.

          Nachdem Angehörige vor dem Kino „Century 16“ am Wochenende schon Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt hatten, versammelten sich am Sonntagabend mehrere tausend Menschen zu einer Trauerfeier vor dem Rathaus. Der Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper, erinnerte an selbstlose Rettungsversuche wie den einer Kinobesucherin, die bei einer Unbekannten mit Druckverband die Blutung stoppte, bis die Notärzte kamen. Als Hickenlooper am Ende der Gedenkfeier die Namen der zwölf Toten verlas, rief die Menge nach jedem Namen: „Wir werden nie vergessen.“ Auch die Überlebenden der Amoktat an der Columbine High School im 30 Kilometer entfernten Littleton, wo zwei Schüler im April 1999 dreizehn Menschen erschossen und 21 weitere verletzten, boten den Opfern Hilfe an.

          Wie konnte Holmes so viele Waffen und Sprengsätze horten?

          „Es ist reine Zeitverschwendung, sich über die Beweggründe der Täter Gedanken zu machen. Solche Taten sind nicht zu verstehen“, riet die 30 Jahre alte Anne Marie Hochhalter, die seit den Schüssen von Columbine im Rollstuhl sitzt. Holmes hatte sich nach der Festnahme auf dem Parkplatz des Kinos nicht zu möglichen Motiven geäußert. Trotz allem sind sogenannte Waffenverbrechen in Colorado vergleichsweise selten. Laut Verbrechensstatistik des FBI wurden 2010 in Texas je 100.000 Einwohner fast 130 Verbrechen mit Gewehren und Pistolen verübt. In Colorado lag die Zahl bei 50.

          Dennoch fragt man sich, wie Holmes in seiner Wohnung so viele Waffen und so viel Sprengstoff horten konnte. Der hochbegabte Vierundzwanzigjährige hat angeblich auch die Adresse des Medizinischen Instituts der Universität von Colorado für Waffenbestellungen genutzt, an dem er bis vor einigen Monaten als Doktorand im Fach Neurowissenschaften forschte. Mit dem Versuch, die Treffsicherheit zu verbessern, war Holmes jedoch gescheitert. Wie Glenn Rotkovich, der Betreiber einer Schießanlage in Byers bei Denver, dem Sender CNN sagte, lehnte er im Juni einen Aufnahmeantrag des ehemaligen Studenten ab. „Die Stimme auf seinem Anrufbeantworter klang einfach zu bizarr“, sagte Rotkovich. Holmes, der nach drei Tagen Einzelhaft am Montag dem Haftrichter vorgeführt wurde, droht die Todesstrafe.

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