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Bluttat von Maintal : Totschlag auf dem Reiterhof

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Fundort: Auf diesem Reiterhof in Maintal kam im Herbst 2014 eine Ehepaar zu Tode Bild: dpa

Zum dritten Mal befasst sich ein Gericht mit dem Fall eines getöteten Ehepaares auf einem Reiterhof in Maintal. Vor Gericht stehen Vater und Sohn. Nach zwei Freisprüchen gibt es nun eine überraschende Wende.

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          Was Anfang Juni 2014 auf dem Reiterhof am Rand des Maintaler Stadtteils Dörnigheim geschah, wird vermutlich nie ganz aufgeklärt werden. Nach der insgesamt dritten Verhandlung hat das Frankfurter Landgericht am Dienstag die beiden Angeklagten, einen 66 Jahre alten Mann und dessen 36 Jahre alten Sohn, dennoch wegen Totschlags zu jeweils zehneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Schwurgerichtskammer sah es nun als erwiesen an, dass sie an jenem Tag nach einem Streit über Mietschulden das Frankfurter Ehepaar, dem der ehemalige Reiterhof gehörte, erschlugen und die Leichen unter einem Misthaufen vergruben. Die beiden Männer wurden nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal festgenommen.

          In zwei Prozessen vor dem Landgericht Hanau in den Jahren 2015 und 2018 waren sie noch wegen einer zumindest nicht zu widerlegenden Notwehrsituation freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob allerdings die Urteile auf. Zwar erkannten die Richter an, dass die Beweislage außerordentlich schwierig sei, jedoch seien die Urteile lückenhaft, oder sie wiesen Rechtsfehler auf. Schließlich wurde der Fall ans Landgericht Frankfurt verwiesen.

          Bluspritzer am Eingang

          Erst im Oktober 2014 hatten Ermittler die Leichen gefunden. Das Ehepaar aus Frankfurt war seit Anfang Juni vermisst worden. Am Eingang des Hofes fanden sich Blutspritzer. Der Verdacht fiel auf die Untermieter. Die Polizei suchte mit Leichenspürhunden lange vergeblich das Gelände ab, bis Vater und Sohn schließlich sagten, wo die Leichen lagen.

          Nach den Feststellungen des Frankfurter Landgerichts, wie sie der Kammervorsitzende am Dienstag in der Begründung des Urteils erläuterte, habe zunächst der jüngere Angeklagte den 57 Jahre alten Ehemann mit 20 Messerstichen getötet, danach habe sein Vater die gleichaltrige Ehefrau erschossen.

          Die Angeklagten, welche Untermieter auf dem Reiterhof waren, gaben auch im dritten Prozess an, aus Notwehr gehandelt zu haben: Der Eigentümer, der sie seit langem drangsaliert habe, habe an jenem Tag während des Streits ein Messer gezogen und sie angegriffen. Der Jüngere habe ihm die Waffe wegnehmen können und ihn im Gerangel getötet. Als die Frau mit einem Beil auf sie losgegangen sei, habe der ältere Angeklagte sie erschossen.

          Diesmal ging die Schwurgerichtskammer nicht mehr – wie die Richter der ersten beiden Verfahren – von einer Notwehrsituation aus. Dafür gebe es zu viele Widersprüche. Vor allem das Verhalten nach der Tat spreche gegen eine Notwehrlage. Statt den Tatort und Beweismittel zu sichern, seien die beiden Leichen vergraben und deren Auto auf einem Supermarkt-Parkplatz abgestellt worden. Bei der Polizei hatten die Angeklagten zunächst überhaupt keine Aussagen gemacht. Die Notwehrvariante sei erst später ins Spiel gebracht worden. Das sei kaum nachvollziehbar, so der Vorsitzende Richter. Laut zahlreichen Zeugenaussagen neigte der getötete Ehemann zwar zu verbalen Attacken, nicht aber zu körperlicher Gewalt.

          Abermalige Revision wahrscheinlich

          Die Staatsanwaltschaft war bei der Tötung der Ehefrau von einem Mord in Verdeckungsabsicht ausgegangen und hatte deshalb lebenslange Haft für den Vater beantragt. Der Sohn sollte nach den Vorstellungen des Anklagevertreters wegen Totschlags elf Jahre ins Gefängnis. Das Gericht verurteilte allerdings auch den Vater lediglich wegen Totschlags. Mordmerkmale seien in Anbetracht des unklaren Geschehensablaufs nicht sicher festzustellen.

          Die Rechtsanwälte der als Nebenkläger im Prozess vertretenen Angehörigen der Opfer wollten für beide Angeklagten lebenslange Haft, die Verteidiger zwei Freisprüche vom Tötungsvorwurf. Strafmildernd wertete das Gericht die fehlenden Vorstrafen sowie die Haftempfindlichkeit des gesundheitlich beeinträchtigten Vaters. Eine abermalige Revision erscheint wahrscheinlich.

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