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Asylbewerber erstochen : Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Totschlag

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Stille Trauer: Weiße Tulpen liegen am Ort, an dem der Afrikaner vermutlich ums Leben kam. Bild: dpa

In einer Dresdner Plattenbausiedlung wird ein toter Asylbewerber gefunden. Nachdem die Polizei anfangs nicht von einem Verbrechen ausgeht, bringt die Obduktion Klarheit. Der junge Mann wurde erstochen.

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          Ein im Dresdner Südosten tot aufgefundener afrikanischer Asylbewerber ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Die Obduktion ergab, dass der Zwanzigjährige aus Eritrea durch mehrere Messerstiche in Hals und Brust starb, wie Lorenz Hasse von der Staatsanwaltschaft Dresden am Mittwoch mitteilte. Die Behörde ermittelt wegen Totschlags. Täter, Hintergründe und Umstände des Verbrechens seien noch unbekannt. Auch die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden.

          Die Ermittler suchen nach Hinweisen auf eine mögliche Auseinandersetzung. Möglicherweise ist der Fundort der Leiche nicht der Tatort. Die Mordkommission wurde inzwischen personell auf 25 Beamte aufgestockt. Kriminaltechniker sicherten Spuren in der Wohnung und am Fundort des Afrikaners. Die Ermittler befragen nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem die Mitbewohner des Ostafrikaners und suchen mögliche Zeugen der Tat, wobei eventuell auch Videoaufnahmen aus Bahnen und Bussen interessant sein könnten.

          Nach Medienberichten war der 20 Jahre alte Mann zuletzt am Montagabend gesehen worden, als er einkaufen gehen wollte. Er kehrte nicht in die Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra zurück. Am nächsten Morgen entdeckten Passanten die Leiche des jungen Schwarzen vor dessen Wohnhaus und verständigten die Polizei. Wie lange er schon tot war und dort gelegen hatte, konnte Haase nicht sagen.

          Hundert Menschen demonstrieren vor dem Albertinum

          Die Behörden hatten in ihrer ersten Information zu dem Fall zunächst mitgeteilt, dass es für eine Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte gäbe. Noch am Mittwochmorgen erklärte ein Polizeisprecher, dass alles möglich sei - von Unfall bis Mord. Am Nachmittag sprach dann Polizeipräsident Dieter Kroll davon, dass die Ermittler von einem Gewaltverbrechen ausgingen, Unfall oder Selbstmord ausgeschlossen würden.

          Nach Bekanntwerden der Gewalttat demonstrierten mehr als 100 Menschen spontan vor dem Albertinum, wo Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zum Neujahrsempfang geladen hatte. Darunter waren auch mehrere Afrikaner. Ihnen machte Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) ein Gesprächsangebot. „Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können.“ Im Szeneviertel Neustadt gab es eine Mahnwache.

          „Die Nachricht, dass gestern ein junger Mann, durch Messerstiche getötet, in Dresden gefunden wurde, hat mich sehr geschockt“, erklärte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Sie warnte vor Spekulationen über Täter und Hintergründe. Sie hoffe sehr, dass Polizei und Staatsanwaltschaft diese Fragen schnell klären können. „Ich habe aber auch vollstes Vertrauen in die Sicherheitsbehörden, dass dies geschieht“, sagte die CDU-Politikerin.

          Nach den Worten von Orosz wird sich die Stadt nun um die anderen Asylbewerber kümmern, die mit dem Opfer zusammengelebt haben. Das Sozialamt sei bereits beauftragt, eine Betreuung zu organisieren.

          Aus dem Landtag kamen Forderungen nach umfassender Aufklärung des Falls. Dabei müsse auch ein mögliches rassistisches Motiv geprüft werden, sagte die Abgeordnete Juliane Nagel (Linke). Albrecht Pallas (SPD) mahnte zur Besonnenheit. „Spekulationen - in welche Richtung auch immer - helfen nicht weiter.“ Valentin Lippmann (Grüne) warnte „in der aufgeheizten Atmosphäre“ vor Vorverurteilungen. „Die Ergebnisse der Ermittlungen müssen abgewartet werden.“

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