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Prozess um getötete Polizisten : Wer hat in Kusel geschossen?

Andreas S. (vorne rechts) und sein Verteidiger zu Beginn des Prozess Bild: Reuters

Schluchzend hat der Hauptangeklagte Andreas S. abgestritten, die beiden Polizisten ermordet zu haben. Ist sein Auftritt vor Gericht ein verzweifelter Versuch, sich zu retten? Oder hat sein Mitangeklagter ebenfalls Schüsse abgegeben?

          5 Min.

          Am dritten Prozesstag will sich Andreas S. plötzlich doch persönlich einlassen. Wegen der „Presseberichterstattung“ in dem Fall hat der Neun­und­dreißigjäh­rige, der sich am Landgericht Kaiserslautern unter anderem wegen des Mordes an zwei Polizisten im Kreis Kusel verantworten muss, angeblich Angst, dass die Kammer nicht unvoreingenommen sein könnte. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Richter seien bislang aber so „fair“ aufgetreten, dass er seine Version des Geschehens vom frühen Morgen des 31. Januar, zu Beginn des Prozesses von seinen Verteidigern verlesen, noch mal in eigenen Worten erzählen will.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Und so trägt Andreas S. am Dienstag mit hoher Stimme und saarländischem Dialekt vor, wie er im Auto nach den Fahrzeugpapieren gesucht haben will, als die ersten Schüsse fielen. Mit der dabei wohl verwendeten Schrotflinte soll zu diesem Zeitpunkt Florian V. bewaffnet gewesen sein. Plötzlich sei er unter Be­schuss gewesen, berichtet Andreas S., dem in diesem Moment die Stimme bricht. Schluchzend berichtet er weiter, wie er „völlig perplex“ gewesen sei. Im Dunkeln habe er die Situation nicht einschätzen können, seine Jagdwaffe gegriffen, das Auto verlassen – und zurück­geschossen. Dass die Person, die er dabei dreimal traf, ein Polizist war, will er erst bemerkt haben, als dieser tot war. Den zweiten tödlichen Schuss auf dessen Kollegin soll Florian V. abgegeben haben, als S. das Fahrzeug wendete.

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