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Tödliches Autorennen in Berlin : Die Täter waren der Polizei bekannt

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Die gesperrte Tauentzienstraße am Montag nach dem illegalen Autorennen. Die beiden Fahrer waren der Polizei bekannt. Bild: dpa

Die beiden Männer fuhren mit protzigen Sportwagen durch die Berliner Innenstadt und lieferten sich schließlich ein Autorennen, bei dem ein Unbeteiligter starb. Weil sie polizeibekannt sind, droht ihnen eine härtere Strafe als in vergleichbaren Fällen.

          Nach dem illegalen Autorennen in Berlin ermittelt die Polizei weiter die genauen Umstände des Unfalls, bei dem ein unbeteiligten Autofahrer ums Leben kam. Es geht den Ermittlern unter anderem um die hohen Geschwindigkeiten der beiden Sportwagen und um den genauen Verlauf des tödlichen Zusammenstoßes.

          Ob die beiden Raser im Alter von 26 und 24 Jahre noch am Dienstag befragt werden sollten, war zunächst noch unklar, wie es bei der Polizei hieß. Die Verletzungen der Männer seien aber nicht so schwer, dass eine Befragung nicht möglich wäre.

          Einer der Fahrer hatte das Krankenhaus nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung bereits am Montag verlassen. Die Zeitung berichtet außerdem, der 26-Jährige sei der Polizei wegen Diebstahls, Nötigung und Betrug bekannt, der 24-Jährige sei schon länger in der Raser- und Auto-Tuning-Szene unterwegs.

          Beiden droht ein Strafprozess und eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

          200 Stundenkilometer

          Einer der Raser hatte auf einer Kreuzung der Tauentzienstraße, der Verlängerung des Ku'damms zwischen Gedächtniskirche und KaDeWe, den Wagen eines Unbeteiligten gerammt. Der 69 Jahre alte Mann starb noch um Unglücksort.

          Trümmerteile werden vorm KaDeWe beseitigt. In der Nähe soll es am Dienstagabend ein Sit-In von Fahrradfahrern geben.

          Nach Zeitungsberichten blieb der Tacho eines der beiden Sportwagen bei 200 Stundenkilometern stehen. Ob das die tatsächliche Geschwindigkeit beim Unfall zeigt oder ob der Tacho durch den Aufprall verstellt wurde, müssen die Ermittler herausfinden.

          Am Dienstagabend (18.30 Uhr) sollte an der Unfallstelle des Getöteten gedacht werden. Eine Initiative von Fahrradfahrern rief zu einem sogenannten Sit-In in der Tauentzienstraße auf. Die Initiative „Volksentscheid Fahrrad“, die für einen Ausbau der Rad-Infrastruktur in Berlin eintritt, verlangte eine konsequentere Verfolgung von Rasern.

          Kritik an Berliner Politikern

          „Illegale Autorennen sind auf dem Tauentzien und dem Kurfürstendamm seit langem bekannt, Innensenator Frank Henkel (CDU), Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsident Klaus Kandt schauen offenbar tatenlos zu“, kritisierte Heinrich Strößenreuther von der Initiative.

          Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ulrich Lange (CSU), verlangte „mehr Sensibilisierung und Aufklärung“, eine „konsequenten Ahndung von Raserei“ und „ein klares Signal der Abschreckung“.

          In Köln, wo 2015 drei Menschen bei illegalen Autorennen starben, wurden im Januar zwei junge Männer wegen eines ähnlichen Unfalls verurteilt. Die beiden Freunde im Alter von 20 Jahren hatten in der Innenstadt ein Rennen veranstaltet.

          In ähnlichem Fall nur Bewährungsstrafe

          Einer überfuhr mit 115 Stundenkilometern eine rote Ampel und rammte ein Taxi. Ein Fahrgast starb. Das Amtsgericht verurteilte die Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Jugendstrafen von 16 und 12 Monaten auf Bewährung.

          Positiv wertete das Kölner Gericht, dass die beiden Angeklagten nicht vorbestraft waren, nicht zu der typischen Raser- und Tuning-Szene gehörten, es sich eher um eine „absolut jugendtypische Tat“ in einem Moment des „Totalversagens“ gehandelt habe sowie die Reue der jungen Männer.

          Die beiden Berliner Fahrer sind dagegen polizeibekannt und fallen nicht mehr unter das Jugendstrafrecht. Das könnte in einem Prozess zu einer härteren Strafe führen.

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