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Schießerei in Kalifornien : Todesschützen könnten Terroristen gewesen sein

  • Aktualisiert am

In diesem Auto starben die Schützen durch Polizeikugeln Bild: AFP

12 Rohrbomben und Munition für 5000 Schuss in der Garage: Die beiden Attentäter von San Bernardino hatten offenbar weitere Anschläge geplant. Zudem verdichten sich die Hinweise auf einen Terrorakt.

          Nach der Schießerei mit 14 Toten im kalifornischen San Bernardino haben die Ermittler zwölf Rohrbomben im Haus der Schützen gefunden. Außerdem seien Hunderte Werkzeuge zum Bombenbau sichergestellt worden, sagte der Polizeichef von San Bernardino, Jarrod Burguan, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Täter hätten zusätzliches Material gehabt, „um weitere Bomben zu bauen." Wahrscheinlich hatten sie weitere Attentate geplant. Es bestehe zudem weiterhin die Möglichkeit, dass die Tat ein Terrorakt gewesen sei.

          Der 28 Jahre alter städtische Angestellte Syed Farrok hatte am Mittwoch gemeinsam mit seiner 27 Jahre alten pakistanischen Ehefrau Tashfeen Malik bei einer Weihnachtsfeier seiner Arbeitskollegen vom Kreisgesundheitsamt das Feuer eröffnet. Nach Polizeiangaben gab das Paar 65 bis 75 Schüsse auf die Anwesenden ab. Beide konnten zunächst entkommen und kamen etwa sechs Stunden später nach einer Verfolgungsjagd bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben. Bei einem zurückgelassenen Sprengsatz versagte der Mechanismus zur Fernzündung.

          In Kontakt mit Terrorverdächtigen

          Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass Farook telefonisch und über soziale Onlinenetzwerke mit Terrorverdächtigen in Kontakt gestanden habe. Offenbar sei er „radikalisiert" gewesen. Dort habe er sich als Muslim mit einer Mischung aus westlichen und islamischen Familienwerten präsentiert. Sicherheitskreise äußerten sich ähnlich.

          Der Amerikaner Farook, der seine Ehefrau im Internet kennenlernte und erstmals bei einer Pilgerfahrt in Saudi-Arabien traf, war mit ihr im Juli 2014 in die Vereinigten Staaten eingereist. Farook soll sich mindestens einmal in Pakistan aufgehalten haben. Malik hatte offenbar keine Verwandten in Amerika. Gemeinsam hatte das Paar eine sechs Monate alte Tochter. Diese hatten sie vor der Tat laut „Washington Post“ bei Farooks Mutter abgegeben und einen Arzttermin vorgeschoben.

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          Das Ehepaar hatte offenbar ein ganzes Waffenlager zur Verfügung: Laut Burguan führten Farook und Malik mehr als 1600 Schuss Munition mit sich, als sie sich die Schießerei mit der Polizei lieferten. Im Haus des Paares fanden die Ermittler dann ungefähr 5000 weitere Schuss Munition für Sturmgewehre, langläufige Waffen und Pistolen. Die vier eingesetzten Schusswaffen habe Farook zudem vor vier Jahren legal erworben. „Sie waren ausgerüstet", sagte Burguan. „Sie hätten eindeutig eine weitere Attacke verüben können. Wir haben sie abgefangen, bevor das passieren konnte."

          Die Polizei erhöhte zudem die Angaben zur Anzahl der Verletzten von 17 auf 21. Mindestens zwei von ihnen schwebten nach Angaben des Krankenhauses derzeit noch in Lebensgefahr. Auch ein zweiter Polizist sei verletzt worden, sagte Burguan, beide seien aber auf dem Weg der Besserung.

          Der leitende FBI-Agent David Bowdich sagte bei der Pressekonferenz, es sei derzeit noch „viel zu früh", über die Motive der Schützen zu spekulieren. Beide hätten aber „eine Mission“ gehabt. Einige Beweismittel sollten noch am Donnerstag nach Washington geflogen werden, um vom FBI untersucht zu werden. Besonders wichtig seien Handys, Computer und USB-Sticks. Die Behörden schlossen einen terroristischen Hintergrund ebenso wenig aus wie einen Streit am Arbeitsplatz.

          Spezialkräfte der Polizei umstellen ein Auto in dem die Täter mutmaßlich geflüchtet waren. Bilderstrecke

          Auch Amerikas Präsident Barack Obama hält ein terroristischen Bezug der Tat weiterhin für möglich, Nach einem Treffen mit FBI-Direktor James Comey, Justizministerin Loretta Lynch und Sicherheitsberatern im Weißen Haus erklärte Obama jedoch, es müssten erst Zeugen befragt und das genaue Verhältnis des Schützen zu seinen Vorgesetzten geprüft werden: „Wir werden dieser Sache auf den Grund gehen. Wir werden wie immer aufmerksam alle Fakten sammeln, bevor wir ein entscheidendes Urteil fällen“, erklärte er.

          Die Gesetzgeber im Kongress rief Obama abermals auf, sich zu strengeren Waffengesetzen durchzuringen. Den Todesschützen dürften ihre blutigen Taten nicht so einfach gemacht werden. „So viele Amerikaner haben manchmal das Gefühl, das wir nichts dagegen unternehmen können“, sagte der Präsident. Die Gesellschaft müsse in sich gehen und sicherstellen, dass die nötigen Schritte unternommen werden, damit potenzielle Schützen nicht so leicht an Waffen kommen.

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