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Fall Tugce : Senal M. war offenbar nicht zu bremsen

Tugce bleibt für ihren Mut in Erinnerung: ein Spruchband am Rande des Parkplatzes, auf dem die Studentin angegriffen wurde Bild: dpa

Der Tod von Tugce Albayrak wirft immer noch Fragen auf. Die F.A.Z. hat die kompletten Videos der Überwachungskameras gesehen. Eines ist sicher: Der mutmaßliche Täter Senal M. kochte über vor Aggressivität.

          In der 43. Minute rennt Senal M. zu einem Auto. Man sieht ihn auf dem Video nicht einsteigen, die Kameraperspektive gibt das nicht her. Aber man sieht mindestens drei Personen in dunklen Jacken, die hinter ihm her rennen und etwas vor seiner Parkbucht in die Luft halten. Offenbar ihre Handys, mit denen sie das Nummernschild des wegfahrenden Autos fotografieren. Während sie fotografieren, liegt Tugce ein paar Meter weiter entfernt regungslos neben einem Auto auf dem Boden des Parkplatzes, wie ein schwarzer Strich auf grauem Grund.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Um sie herum knien Personen in grünen und schwarzen Winterjacken, immer wieder löst sich jemand aus der sie umgebenden Gruppe, läuft zu den anderen jungen Leuten, die in der Mitte des Parkplatzes zusammenstehen. Zwei junge Frauen, das zeigt das Video aus dem Restaurant innen, kommen aufgeregt zum Verkaufsschalter gerannt. Sie bitten um Wasser, bekommen die Becher umgehend und füllen sie an der „Getränkestation“ gegenüber vom Schalter. Etwa acht Minuten später fährt der erste Polizeiwagen auf den Parkplatz, Sekunden danach kommt der nächste. Dann, nach etwa zwei weiteren Minuten, kommt der Krankenwagen.

          Kaum eine Dreiviertelstunde zuvor deutet im McDonald’s-Restaurant in Offenbach – zumindest nach den Bildern des Überwachungs-Videos – noch nichts auf die Aggression, die sich später auf dem Parkplatz entladen wird. In dem Video, das etwa eine Stunde umfasst, sieht man in Minute „0“ Senal M. und einen Freund am Verkaufsschalter stehen, wie sie ihre Bestellung aufgeben. Senal M. trägt ein rosafarbenes Hemd und eine beigefarbene Hose, die helle Kleidung wird ihn später, als es zu der Konfrontation auf dem Parkplatz kommt, aus der Menge der dunkel gekleideten Personen ebenso herausstechen lassen wie sein Verhalten. Doch am Schalter stehend lacht er noch, bevor er seinem Freund, der das Tablett trägt, zu den Tischen folgt.

          Was dort passiert, ist auf dem Video nicht festgehalten, die Kameras decken nur das Gebiet vor dem Schalter ab. Auch das Personal muss nicht zwangsläufig alles mitbekommen, was sich in den Nischen so abspielt. Auf den Bildern sieht man nur die Kunden, die bestellen, aber nicht das Personal. Die Kameras reichen also nur bis zur Getränkestation gegenüber vom Schalter, an der man die Becher auffüllt und Servietten holt. Dahinter beginnen die Tische und Stühle. Hier muss Senal M. mit Freunden gesessen haben, etwa 27 Minuten lang. In der 27. Minute kommt er wieder in den Blickwinkel der Kamera: Er geht am Schalter vorbei nach links, er könnte zu den Toiletten gegangen sein.

          Der Zugang zu den Toiletten wird nicht gefilmt

          Der Zugang zu den Toiletten wird ebenso wenig gefilmt wie die Essplätze. Nach etwa 30 Sekunden kommt Senal M. wieder ins Bild, geht am Schalter rechts entlang bis zu den Behältern neben der Getränkestation, auf denen die Tabletts abgestellt werden. Dort bleibt er stehen, mit dem Rücken zum Schalter und zur Kamera, lehnt sich an den Behälter und spricht offenbar mit zwei Freunden, die neben ihm stehen.

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