https://www.faz.net/-gum-vyzn

Tod einer Edelprostituierten : Berühmter hätte sie nicht werden können

  • -Aktualisiert am

Im Film weiß die Hure zu viel und muss weg

Amüsant kam die Gesellschaftskritik in dem schon ein Jahr nach dem Mord herausgekommenen Spielfilm von Rolf Thiele daher, dem späteren „Cheferotiker des deutschen Films“. Nadja Tiller, mal mit Hut und gepunktetem Kleid, mal im Babydoll, verkörperte „Das Mädchen Rosemarie“, unter anderen Leinwandhelden Gert Fröbe als das fette Wirtschaftswundertier. Was das polizeiliche Ermittlungsergebnis nicht hergab, hier wurde es Ereignis: Die Hure weiß zu viel und muss weg. Bis es so weit ist, amüsiert das Stück vor allem mit kabarettistischen Einlagen.

Die geilen Bosse werden besungen mit „Ihr sprecht von Gefühl und von Liebe im Bett / euch schlägt bloß das Scheckbuch unterm Jackett!“ Zu „Preußens Gloria“ fügt sich der Text „Und weil sozial ist unser Sinn, drum bauen wir noch ne Versich'rung hin / und links 'ne Bank und rechts 'ne Bank / und managen uns dabei krank.“ Wirtschaftswunderland: Brillanten an der Hand, Picasso an der Wand, „Mein Kampf“ ham' wer leider verbrannt. Denselben Grundton von 1958 schlägt auch der Fernsehfilm von 1996 an, in dem Nina Hoss die Rosemarie spielt und die damenhafte Nadja Tiller vergessen lässt.

Autopsie eines deutschen Skandals

Der Vollständigkeit halber: Es gibt noch „Die Wahrheit über Rosemarie“ mit der vergessenen Engländerin Belinda Lee und ein Musical, das 2004 in Düsseldorf uraufgeführt wurde und kein Erfolg war. Dieser Tage hat der Journalist Christian Steiger ein Buch vorgelegt, das sich als „Autopsie eines deutschen Skandals versteht“. Sorgfältig zeichnet es die Lebenslinie der Rosemarie Nitribitt nach, die Schlappe der Ermittlungen und nähert sich dem gesellschaftlichen und publizistischen Ambiente der fünfziger Jahre.

In den Jahren, als noch wirklich hektisch über „die Nitribitt“ publiziert wurde, nahm sich auch diese Zeitung des Falls auf besondere Weise an. Friedrich Sieburg, der das Literaturblatt leitete, schrieb in zwei Leitartikeln auf der ersten Seite der F.A.Z. zum Mordfall. Bei Sieburgs Ansehen als Schriftsteller und Kritiker war das prima vista eine Ungeheuerlichkeit, so, als hätte Marcel Reich-Ranicki den Einbruch bei Dieter Bohlen zum Gegenstand gemacht.

Aber, wie nicht anders zu erwarten, der Autor packte die Nitribitt dort, wo sie neu erfunden worden war, bei den „illustrierten Blättern“. Er schrieb: „Wir wollen von den Leuten, die für die Bildpresse verantwortlich sind, kein Opfer verlangen, das an ihre Substanz rührt. Wir wollen sie nur kniefällig bitten, sich die Welt, die sie in ihren Blättern mit so viel Einfallsreichtum errichten, einmal genau anzusehen und sich zu fragen, ob die Massenhaftigkeit ihrer Leser ein Beweis dafür ist, dass sie auf dem rechten Weg sind.“ Sieburg hat nicht verstehen wollen, dass es Geschichten gibt, die erzählt werden müssen, ganz gleich, ob sie wahr sind.

Weitere Themen

Topmeldungen

Bundesliga im Liveticker : Was ist nur mit Dortmund los?

Der BVB macht zu viele Fehler und kassiert nach der Pause wieder ein Tor. Hoffenheim gleicht gegen Frankfurt aus. Köln und Freiburg liegen jeweils 2:0 vorne. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

Deutschlands Handballer : Mit hartem Rock gegen Kroatiens harte Jungs

Der Spaß kehrt zurück bei den deutschen Handballern, auch dank Timo Kastening. Ein Schelm, der aus der Deckung kommt – und weiß, was nun gegen Kroatien nötig ist. An der passenden Einstimmung soll es nicht scheitern.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.