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Wegen Tierquälerei : Früherer Chef des Schlachthofs Kassel verurteilt

Schweinehälften in einem Schlachthof in Niedersachsen Bild: dpa

Weil er Schweine nach Überzeugung des Gerichts ohne entsprechende Betäubung schlachten ließ, ist der frühere Chef des Schlachthofs Kassel wegen Tierquälerei verurteilt worden. Das OLG Frankfurt sieht sogar „aktives Tun“.

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          Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hat die Verurteilung des ehemaligen Geschäftsführers des Schlachthofes Kassel wegen „roher Tierquälerei“ bestätigt. Wie eine Sprecherin am Dienstag mitteilte, sei das OLG genau wie Amtsgericht und Landgericht zuvor zu dem Schluss gelangt, der Mann habe über einen Zeitraum von 2011 bis 2013 weiter Schweine schlachten lassen, obwohl er wusste, dass die Elektrobetäubungsanlagen nicht ausreichten, um die Tiere tatsächlich schmerzunempfindlich zu machen.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er habe, so das OLG, „den wirtschaftlichen Interessen des Schlachthofes und auch eigenen monetären Interessen den Vorrang gegenüber dem Empfinden der Tiere eingeräumt.“ Seine „Gleichgültigkeit“ zeige sich darin, dass er die unzureichenden Betäubungen über den Zeitraum von zwei Jahren nicht abgestellt habe, obwohl es entsprechende Kontrollen und eine Ordnungsverfügung gegeben habe.

          „Aktives Tun“

          Im Gegensatz zur Vorinstanz, dem Landgericht Kassel, wertete das OLG das Verhalten des Mannes sogar als „aktives Tun“. Dadurch hätte sich der Schuldspruch, eine Verwarnung mit einer vorbehaltenen Geldstrafe, eigentlich verschärft. Doch weil allein der Angeklagte Revision eingelegt hatte und nicht die Staatsanwaltschaft ebenfalls, greift das sogenannte Verschlechterungsverbot, das eine höhere Strafe verhindert.

          Das OLG merkte zum Schluss noch an, dass auch der Verwaltungsrat und das Veterinäramt für die Tierquälerei mitverantwortlich seien. Der damalige Bürgermeister Kassels sei sowohl Miteigentümer des Schlachthofs und oberster Dienstherr des Veterinäramtes gewesen. Er habe sich also „im Ergebnis selbst kontrolliert“.

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