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Theo van Gogh : Regierung: Mord hatte islamistischen Hintergrund

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Amsterdam: Demonstrationen nach der Ermordung Theo van Goghs

Amsterdam: Demonstrationen nach der Ermordung Theo van Goghs Bild: AP

Der Mann, der am Dienstag den Filmemacher und Islam-Kritiker Theo van Gogh getötet hat, ist nach Angaben der niederländischen Regierung von islamistischen Motiven getrieben worden.

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          Der Mann, der den Filmemacher und Islam-Kritiker Theo van Gogh getötet hat, ist nach Angaben der niederländischen Regierung von islamistischen Motiven getrieben worden.

          Der Verdächtige sei den nationalen Sicherheitsdiensten schon vor der Tat bekannt gewesen, erklärte die Regierung an diesem Mittwoch. Niederländische Zeitungen berichteten, der unter Mordverdacht festgenommene Mann, ein Marokkaner mit gleichzeitig niederländischer Staatsbürgerschaft, habe Verbindungen zu Moslem-Extremisten unterhalten und sei der Freund eines unter Terrorismus-Verdacht stehenden Mannes.

          Justiz- und Innenminister: Ruhe bewahren

          Der 47jährige van Gogh war am Dienstag auf seinem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit erschossen worden. In der Leiche steckten zwei Messer. Mit einem der Messer war eine Botschaft auf der Brust des Filmemachers fixiert. Medienberichten zufolge handelte es sich dabei um Verse aus dem Koran. Van Gogh galt als radikaler Kritiker des moslemischen Extremismus. Viele Moslems fanden seine Artikel und Äußerungen beleidigend.

          In einem Brief an das Parlament riefen Justizminister Jan Hein Donner und Innenminister Johan Remkes die Bevölkerung zur Ruhe auf. Sie fürchten offenbar, die Tötung van Goghs könnte die seit der Ermordung des Rechtspopulisten und Einwanderungsgegner Pim Fortuyn im Mai 2002 bestehenden Spannung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen verstärken. In der Nacht hatten sich etwa 20000 Menschen aus Protest auf einem zentralen Platz in Amsterdam versammelt. Moslem-Organisationen verurteilten die Tat, äußerten jedoch auch Sorge vor Vergeltung.

          „Radikal-islamischen Hintergrund ernsthaft erwägen“

          Der am Dienstag festgenommene Verdächtige gehört der Regierung zufolge nicht zu den 150 Personen, die vom Geheimdienst AVID als mutmaßliche Extremisten überwacht werden. Es habe keinen Hinweis darauf gegeben, daß er einen Angriff plane. „In Anbetracht der Dinge, die wir jetzt wissen, sollten wir ernsthaft in Erwägung ziehen, daß der Täter aus seiner radikal-islamischen Überzeugung heraus handelte", erklärte sie.

          Die Zeitung „De Telegraaf“ berichtete, der Verdächtige sei ein Freund von Samir Assus, dessen Festnahme im Juni zu einem landesweiten Terroralarm geführt hatte, nachdem in seiner Wohnung detaillierte Karten von Gebäuden und Waffen gefunden worden waren. Die Polizei von Amsterdam wollte mit dem Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht Stellung nehmen.

          Sollten sich die Annahmen der Zeitungen bestätigen, wäre der Mord an Van Gogh der zweite politisch motivierte Mord zwei Jahre nach dem Mordanschlag eines Tierschützers auf Fortuyn.

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