https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/texas-amoklauf-an-us-grundschule-fuehrt-zu-debatte-ueber-waffenrecht-18057477.html

Amoklauf an US-Grundschule : „Kleine Kinder, die mit ansehen mussten, wie ihre Freunde sterben“

Feuerwehrwagen vor dem Schulgelände, auf dem sich das Massaker ereignete
Feuerwehrwagen vor dem Schulgelände, auf dem sich das Massaker ereignete : Bild: dpa

Biden mit Tränen in den Augen

Der Amoklauf in Uvalde kommt nur zehn Tage nach einem Massaker in Buffalo, bei dem ein Rassist zehn Menschen in einem Supermarkt erschoss. Biden, der zwischenzeitlich Tränen in den Augen hatte, sprach zunächst von der persönlichen Tragödie für die betroffenen Familien. „Da sehen Eltern ihre Kinder nie wieder, sie werden nie wieder zu ihnen ins Bett springen und mit ihnen kuscheln.“ Dann holte Biden sichtlich erregt zum Schlag gegen den Waffenbesitz aus. Als Nation müsse man sich fragen: „Wann, in Gottes Namen, treten wir der Waffenlobby entgegen?“ Er habe es satt. „Wir müssen handeln. Und sagt mir nicht, wir können keinen Einfluss nehmen auf dieses Blutbad.“ Die Vorstellung, dass ein Achtzehnjähriger in einen Waffenladen laufen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei „einfach falsch“. Offen ist bisher auch, wie sich der Attentäter diese zwei teuren Waffen leisten konnte. Biden fuhr fort: „Warum sind wir bereit, mit diesem Gemetzel zu leben? Warum lassen wir das immer wieder zu? Wo, in Gottes Namen, ist unser Rückgrat, um den Mut zu haben, das Thema anzugehen und sich gegen die Lobbys zu behaupten?“

Nach dem zweiten Massaker in so kurzer Zeit steht die Regierung unter großem Druck. Ohne die Bereitschaft des Kongresses, einen entsprechenden Gesetzentwurf – zu etwa strengeren Hintergrundüberprüfungen – mit 60 Stimmen Mehrheit zur Abstimmung zuzulassen, kann sie jedoch wenig ausrichten. Senator Chuck Schumer will genau das jetzt mit Blick auf Uvalde abermals anstoßen und die Republikaner im Anbetracht der jüngsten Massaker dazu bringen, mit den Demokraten zu stimmen. „Wir werden sehen ob die Republikaner im Senat an unserer Seite stehen oder an der der MAGA-Republikaner“, der radikaleren Trump-Anhänger in der Partei, schrieb er auf Twitter.

Auf Halbmast: Mindestens 19 Kinder und zwei Erwachsene betrauert das Land nach dem Angriff.
Auf Halbmast: Mindestens 19 Kinder und zwei Erwachsene betrauert das Land nach dem Angriff. : Bild: AFP
Schweigen vor dem Spiel: die Texas Rangers vor einer Begegnung mit den Los Angeles Angels
Schweigen vor dem Spiel: die Texas Rangers vor einer Begegnung mit den Los Angeles Angels : Bild: AFP

Senator Chris Murphy aus Connecticut hatte unmittelbar nach dem Angriff eine emotionale Rede im Senat gehalten. „Unsere Kinder haben Angst davor, ihre Klassenräume zu betreten, weil sie die nächsten sein könnten“, sagte er und forderte die Senatoren auf, endlich etwas zu unternehmen. „Was machen wir hier? Warum sind Sie hier, wenn nicht, um ein so existenzielles Problem wie dieses zu lösen? […] Das passiert nur in diesem Land, nirgendwo sonst. Nirgendwo sonst gehen kleine Kinder in die Schule in dem Wissen, dass sie heute erschossen werden könnten.“ Er bitte inständig darum, jetzt zu handeln. An die Republikaner gerichtet sagte er: „Arbeitet mit uns daran, Gesetze zu schaffen, die solche Vorfälle seltener machen.“

Waffenlobby trifft sich am Freitag in Texas

Unter den Republikanern gab es zwar viel Anteilnahme. So verurteilte der Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, die „widerliche Gewalt gegen unschuldige Schulkinder“, äußerte sich aber nicht weiter zu einer möglichen Abkehr von seiner bisherigen Haltung. Der texanische Senator Ted Cruz ging – von Journalisten nach einer möglichen Verschärfung des Waffenrechts gefragt – zu einem Angriff auf die Demokraten und „vielen Leuten in den Medien“ über. Diese versuchten, das „verfassungsmäßige Recht gesetzestreuer Bürger“ zu beschneiden. Das gehe nicht und sei nicht effektiv. Das Argument ist in solchen Fällen meist der Selbstschutz der Bürger.

Interessant wird, wie das Thema einer möglichen Verschärfung des Waffenrechts am Freitag in Texas diskutiert wird. Dann findet, rund 450 Kilometer östlich von Uvalde, in Houston das Treffen der Waffenlobby NRA statt. Zu den Sprechern zählten bisher Gouverneur Abbott, Senator Cruz und auch der frühere Präsident Donald Trump. Der republikanische Senator John Cornyn aus Texas dagegen zog nach dem Amoklauf seinen Auftritt in Houston zurück – schon vor der „Tragödie heute in Uvalde hatten wir die NRA bereits darüber informiert, dass er aufgrund einer unerwarteten Änderung seines Zeitplans nicht bei der Veranstaltung sprechen kann“.

Topmeldungen

Hafenbesichtigung: Xi Jinping (links) mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis in Piräus 2019

Subtiler als Russland : Wie China den Westen schleichend abhängig macht

China setzt seine Ordnungsvorstellungen viel subtiler durch als Russland: über Langfriststrategien wie die neue Seidenstraße, eigene Normen und Standards. Fallen dem Westen seine Abhängigkeiten abermals vor die Füße?
Wie hoch halten wir die Flagge der Ukraine noch? Dieses Foto entstand im Juni 2022 während einer Solidaritätsdemonstration, organisiert von Vitsche Berlin.

Ukrainische Kriegsflüchtlinge : Bröckelt unsere Solidarität?

Im Frühling nahmen zahlreiche deutsche Familien spontan ukrainische Mitbewohner bei sich auf. Nicht immer verlief das ohne Enttäuschungen. Und viele Helfer fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.
Auf die eigene Kappe genommen: Aber auch ordentlich auf die Mütze bekommen.

Fraktur : Mächtig auf die Mütze

Was bloß zieht Journalisten auf die dunkle Seite der Macht? Man wird dort ja nur angeraunzt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.