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Terroranschlag in Österreich : IS-Sympathisant tötet vier Menschen in Wien

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Nach Schüssen im Wiener Ausgehviertel schützen Polizisten den Eingang der Staatsoper. Bild: EPA

Bei einem offenbar koordinierten Angriff im Wiener Ausgehviertel sind fünf Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Der österreichische Innenminister bezeichnete den Täter als IS-Sympathisanten. Die europäischen Nachbarn reagieren bestürzt.

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          Ein mutmaßlicher Terroranschlag in der Wiener Innenstadt hat europaweit für Entsetzen gesorgt. Mindestens ein Angreifer tötete am Montagabend drei Menschen, eine vierte Person erlag am Dienstagmorgen ihren Verletzungen. Mehrere Menschen wurden verletzt, unter ihnen ein Polizist. Ein Tatverdächtiger sei erschossen worden, sagt der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl am Morgen in einer Pressekonferenz. Die Terrorattacke geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Karl Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gewesen, sagte Nehammer am Dienstagmorgen in Wien.

          Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen. Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz. „Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt“, sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. In einer Pressekonferenz am frühen Dienstagmorgen wurde jedoch noch nichts über die Identität des getöteten Attentäters gesagt.

          Österreichs Kanzler Sebastian Kurz sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“. Das Auswärtige Amt nannte die Tat „verstörend“. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilten die Attacke.

          Nach Angaben der Polizei waren mehrere Angreifer mit Langwaffen an der Tat beteiligt. Es gebe verschiedene Tatorte. Die ersten Schüsse seien gegen 20 Uhr in der Seitenstettengasse abgegeben worden, einer belebten Straße im Zentrum. Dort befindet sich auch die Synagoge. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, erklärte im Onlinedienst Twitter, es seien „in unmittelbarer Nähe“ der Synagoge Schüsse abgegeben worden. Ob das Gebetshaus eines der Angriffsziele gewesen sei, sei aber noch unklar. Die Synagoge war demnach zum Zeitpunkt der Schüsse geschlossen und das Bürogebäude der Gemeinde nicht mehr besetzt.

          Viele Wiener verbrachten am Montagabend die letzten Stunden vor Beginn des neuerlichen Corona-Lockdowns noch in den Bars und Restaurants des ersten Bezirks. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig sagte örtlichen Medien, dass rund 15 Menschen ins Krankenhaus gebracht worden seien. Sieben von ihnen seien schwer verletzt worden. Auf Videos, die der Privatsender Oe24 ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse auf einen Mann abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sagte im ORF, womöglich habe einer der Angreifer einen Sprengstoffgürtel getragen. Bei dem Angriff sei „wahllos auf Personen in den Lokalen“ geschossen worden – vor allem auf Menschen, die draußen saßen.

          „Unsere Polizei wird entschlossen gegen die Täter dieses widerwärtigen Terroranschlags vorgehen“, kündigte Kanzler Kurz an. „Wir werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen und diese Angriffe mit allen Mitteln entschieden bekämpfen“, fügte er hinzu. „Das ganze Land ist in Gedanken bei den Opfern, Verletzten und ihren Angehörigen, denen ich mein tiefes Mitgefühl ausdrücke.“ Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen versicherte auf Twitter: „Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen.“

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