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Untersuchungen in Telford : Noch mehr Mädchen melden sich in Missbrauch-Skandal

Wie in Rotherham? Zwischen 1997 und 2013 wurden in der nordenglischen Stadt bis zu 1400 Kinder Opfer eines Zuhälter-Rings. Auch in Telford melden sich nun immer mehr Frauen, die über Vergewaltigungen durch Männer pakistanischer Herkunft berichten. Bild: dpa

Das Ausmaß des Skandals in Großbritannien wurde wohl lange verschwiegen. Fachleute sprechen von einem Muster, nach dem pakistanische Einwanderer Zuhälter-Ringe gebildet hätten.

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          Seit die britische Regierung eine offizielle Untersuchung der Missbrauchsfälle in Telford angekündigt hat, melden sich immer mehr junge Mädchen aus der mittelenglischen Stadt, die über Vergewaltigungen durch Männer pakistanischer Herkunft berichten. Die konservative Abgeordnete Lucy Allan, die den Wahlkreis in den Midlands vertritt, sagte der BBC am Wochenende, ihre Mailbox quelle über von entsprechenden Mitteilungen. Nach Schätzungen wurden in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als 1000 Mädchen missbraucht, manche von ihnen nicht älter als 13 Jahre alt. Die örtliche Polizei bezeichnete die Zahl als „zu hoch“. Allan sagte, Hunderte Mädchen seien missbraucht worden.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Vor sechs Jahren waren in Telford sieben Männer eines Zuhälter-Rings verurteilt worden. Der Anführer, ein Mann namens Mubarek Ali, erhielt 22 Jahre Haft. Ähnliche Verfahren wurden in den Jahren danach in Rochdale, Rotherham und anderen Orten eingeleitet. Fachleute sprechen von einem Muster, demzufolge sich in zahlreichen Städten Zuhälter-Ringe pakistanischer Einwanderer gebildet haben, die gezielt englische Mädchen aus sozial prekären Verhältnissen in ihre Gewalt brächten. Fast durchweg wurde den Verbrechen von den örtlichen Behörden nicht angemessen nachgegangen; zum Teil wurden sie sogar vertuscht.

          Unabhängige Gutachter, die in den vergangenen Jahren die Situation in Rotherham untersuchten, kamen zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß der Fälle unter dem Deckel gehalten wurde, um die kulturellen Spannungen nicht zu erhöhen. Lange Zeit wurde deshalb auch der Hintergrund der Täter verschwiegen. Befragte Behördenmitarbeiter gaben unter anderem an, sie hätten Angst gehabt, als „Rassisten“ beschimpft zu werden. Auch der Abgeordneten Allan war das Schüren örtlicher Konflikte vorgehalten worden, als sie vor zwei Jahren damit begann, auf die Zustände in ihrem (neuen) Wahlkreis aufmerksam zu machen. „Zu dieser Zeit hatte ich nicht einmal die Herkunft der Täter erwähnt – ich war nicht mutig genug“, sagte sie am Wochenende dem „Daily Telegraph“. Sie erklärte das mangelnde Problembewusstsein der Polizei mit dem Umstand, dass sie Fälle häuslichen Missbrauchs mit professioneller sexueller Ausbeutung vermenge. Solange man das nicht unterscheide, lasse sich nicht feststellen, dass die gezielte Anwerbung von Mädchen für sexuelle Handlungen und die Zuhälter-Ringe einen pakistanischen Hintergrund haben, „während jemand, der ein Kind in den eigenen vier Wänden missbraucht, auch ein weißer Stiefvater sein kann“.

          „Wir müssen darüber reden, sonst wird das Problem nicht verschwinden“

          Opfer beklagen aber auch, dass sie von der Polizei nicht ernst genommen worden seien. Das unterstreicht ein Polizeibericht aus Telford, der laut „Sunday Mirror“ die Einschätzung enthielt, dass der Sex „in den meisten Fällen einverständlich“ gewesen sei. Der auf Missbrauchsfälle spezialisierte Anwalt Dino Nocivelli sprach von „Opferbeschuldigung der schlimmsten Sorte“. Einige der Mädchen waren nicht nur minderjährig, sondern noch im Kindesalter.

          Laut einer Studie des Londoner Quilliam-Instituts haben 84 Prozent aller Männer, die seit 2005 für das systematische Anwerben minderjähriger Mädchen für sexuelle Dienstleistungen verurteilt wurden, einen südasiatischen Hintergrund. „Wir müssen darüber reden, sonst wird das Problem nicht verschwinden“, sagte der Autor der Studie, Haras Rafiq. Lucy Allan sagte: „Auch weiße Männer machen sich des sexuellen Missbrauchs schuldig, aber das Banden-Element ist mit der pakistanischen Kultur verbunden. Das Problem anzuerkennen ist der erste Schritt, um es anzugehen.“

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