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Reemtsma-Entführung : Die lange Suche nach dem Lösegeld

Jan Philipp Reemtsma, Gründer und Leiter des Instituts für Sozialforschung, spricht im Mai 2014 in der Hamburger Laeisz-Halle. Bild: dpa

Die Entführung von Jan Philipp Reemtsma ist einer der spektakulärsten deutschen Kriminalfälle. Auch 20 Jahre danach lässt der Fall die Ermittler nicht los.

          Zwanzig Jahre ist die Reemtsma-Entführung mittlerweile her, doch die Rätsel um den Fall nehmen kein Ende. Auch wenn die juristische Aufarbeitung längst abgeschlossen ist, die Täter ihre Strafe verbüßt haben oder tot sind – der Fall lässt die Ermittler nicht los. Denn der Verbleib des höchsten Lösegeldes, das in der Bundesrepublik je gezahlt wurde, 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken, klärt sich nur nach und nach.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Ermittler im Jahr 2013 ein Gelddepot der Entführer in Uruguay aushoben. Knapp eine halbe Million Dollar lagen in einem Schließfach. Die „Bild“-Zeitung zitierte daraufhin den Sprecher einer Wiesbadener Sicherheitsfirma, die von Beginn an mit der Suche nach dem Lösegeld betraut war: Die Spur des Geldes sei nun restlos aufgeklärt. Der Sprecher versichert jedoch, falsch wiedergegeben worden zu sein – will sich aber nicht weiter äußern. In einer Stellungnahme des Anwalts des Opfers heißt es, dass ein Teil des Geldes noch in Umlauf sei.

          33 Tage in Gefangenschaft

          Die Entführung von Jan Philipp Reemtsma ist einer der spektakulärsten deutschen Kriminalfälle. Am 25. März 1996 wurde der Hamburger Millionär auf seinem Grundstück in Blankenese entführt. Die Täter hinterließen eine schriftliche Geldforderung, beschwert mit einer Handgranate. 33 Tage lang musste Reemtsma angekettet in einem Keller in der Nähe von Bremen verbringen. Der Fall wurde auch deshalb so berühmt, weil er zunächst privat gelöst wurde.

          Mindestens zwei Geldübergaben scheiterten während der Entführung, weil die Entführer eine Falle der Polizei vermuteten. Die von der Familie allein organisierte Geldübergabe, von der die Polizei nichts wusste, gelang schließlich.

          Die Familie hatte einen Hamburger Pastor und zwei weitere Bekannte eingeschaltet, die das Geld an die Entführer überbrachten. Die Übergabe mit nächtlicher Irrfahrt, Anweisungen per Mobiltelefon und einem an einem Abhang abgestellten Fahrzeug, um eine Verfolgung zu verhindern, war atemberaubend. Reemtsma kam 43 Stunden später frei. Es war der 26. April.

          Haupttäter Drach beschäftigt Öffentlichkeit über Entführung hinaus

          Alle vier Entführer wurden schließlich gefasst und saßen mindestens zehn Jahre im Gefängnis. Doch auch nach ihrer Freilassung kam es noch zu mysteriösen Vorkommnissen. So wurde der Tatbeteiligte K. 2014 an einem Strand in Portugal tot aufgefunden. Er war mit vier Promille Alkohol im Blut von einer Klippe gestürzt. Ob es Mord, Unfall oder Selbsttötung war, ließ sich nicht mehr feststellen.

          Besonders der Haupttäter Thomas Drach beschäftigt die Öffentlichkeit über die Entführung hinaus – schon weil er sich dem Zugriff am hartnäckigsten entzogen hatte: Er setzte sich nach Südamerika ab und lebte in Uruguay unter falschem Namen. Das ging zwei Jahre gut. Dann schlugen die Fahnder in einem Hotel zu, nachdem Drach dort das Haustelefon benutzt und über Geldwäsche gesprochen hatte.

          Drach saß zunächst in Uruguay im Gefängnis. Im Jahr 2000 wurde er nach Deutschland ausgeliefert und verbrachte in Hamburg insgesamt 13 Jahre in Haft. Er musste die volle Strafe absitzen und fiel im Gefängnis und vor Gericht immer wieder mit großspurigen Reden und Wutausbrüchen auf.

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