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Clanmitglieder festgenommen : Bisher keine Hinweise auf gestohlene Juwelen aus Dresden

  • Aktualisiert am

Polizisten während des Einsatzes in Berlin Bild: dpa

Einer der gesuchten Tatverdächtigen im Zusammenhang mit dem spektakulären Kunstraub aus dem Dresdner Grünen Gewölbe ist möglicherweise mit einem Auto auf der Flucht. Die Polizei bittet um Hinweise und fahndet international.

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          Bei ihren Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden haben die Ermittler am Dienstag in Berlin die im vergangenen Jahr entwendeten Juwelen zunächst nicht gefunden. Es gebe „keine Hinweise, dass die Durchsuchungen insoweit erfolgreich gelaufen sind“, sagte der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft am Nachmittag in der sächsischen Landeshauptstadt. Die Ermittlungen seien mit dem heutigen Tag aber nicht abgeschlossen. „Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass wir die entwendeten Schmuckstücke wiedererlangen können.“ Bislang seien Speichertechnik und Kleidungsstücke sichergestellt worden. „Die Auswertung wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Die Staatsanwaltschaft wolle eine zeitnahe Anklageerhebung, ganz klar sei aber auch: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“

          Polizei fahndet nach Auto mit Flüchtigem

          Die Ermittler hatten zuvor bei einer Großrazzia drei Verdächtige aus dem Berliner Clanmilieu festgenommen. Gegen zwei der drei Verdächtigen wurden Haftbefehle erlassen. Der dritte gefasste Verdächtige wurde am Nachmittag noch dem Haftrichter vorgeführt. Nach zwei weiteren Verdächtigen fahndet die Polizei auch im Ausland. Bei den Gesuchten handelt es sich um 21 Jahre alte Zwillingsbrüder. Fotos der zwei deutschen Staatsangehörigen wurden von der Behörde verbreitet. Einer der Verdächtigen ist möglicherweise mit einem Auto auf der Flucht. Die Polizei hat Hinweise darauf, dass der Mann mit einem grauen Renault Megane neueren Baujahrs mit dem amtlichen Kennzeichen B-HB 306 unterwegs sein könnte. Sie bittet um Zeugenhinweise zu dem Fahrzeug.

          Die festgenommenen Verdächtigen sind nach Polizeiangaben zwischen 23 und 26 Jahre alt und deutsche Staatsbürger. Sie gehören – wie auch die beiden flüchtigen Verdächtigen – der polizeibekannten, arabischstämmigen Großfamilie R. an, die auch für andere große Straftaten verantwortlich gemacht wird. Dazu zählt der spektakuläre Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. Dafür waren zwei Männer verurteilt worden.

          Polizeibeamte bringen in Berlin eine Person zur Identitätsprüfung.
          Polizeibeamte bringen in Berlin eine Person zur Identitätsprüfung. : Bild: dpa

          Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, ist einer dieser Männer jetzt wieder unter den Festgenommenen. Er soll nach dem Goldmünzen-Urteil im Februar zunächst Revision eingelegt, den Antrag aber mittlerweile zurückgezogen haben. Trotzdem sei der Haftantrag noch nicht gestellt worden. Der heute 23 Jahre alte Mann war 2019 auch in Bayern zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er in den Showroom eines Erlanger Herstellers für Hydraulikspreizer und Rettungsscheren eingebrochen war. In seiner Urteilsbegründung hatte der Vorsitzende Richter damals laut „Spiegel“ die Berliner Justiz kritisiert. Sie sei mit dem einschlägig aktenkundigen Mann bisher zu milde umgesprungen. Dieses Urteil soll noch nicht rechtskräftig sein.

          Großeinsatz in Zusammenhang mit spektakulärem Raub in Dresden

          Der außergewöhnliche Großeinsatz mit 1640 Polizeibeamten aus acht Bundesländern, darunter Spezialkräfte des Bundes sowie der Länder Berlin und Sachsen, sollte möglicherweise den ganzen Dienstag andauern. Seit dem Morgen wurden demnach insgesamt 18 Objekte in der Hauptstadt durchsucht, darunter zehn Wohnungen sowie Garagen und Fahrzeuge. Die Polizei ist in mehreren Bezirken im Einsatz, Schwerpunkt ist Berlin-Neukölln.

          Bei einem der spektakulärsten Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte hatten Unbekannte im November 2019 in Dresden aus der berühmten Schatzkammer Grünes Gewölbe Kunstschätze von kaum messbarem Wert gestohlen. Die Diebe waren zunächst mit einem anderen Auto vom Tatort weg- und einige Kilometer durch die Elbestadt gefahren. In einer Tiefgarage am Stadtrand hatten sie dieses dann stehenlassen und in Brand gesteckt, ehe sie umstiegen. Dann rasten sie mit einem PS-starken Wagen über die nahegelegene Autobahn nach Berlin. Das Fahrzeug war in Taxi-Optik getarnt und stand für die Flucht bereit, wie ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft am Dienstag sagte.

          Die Auswertung von Überwachungskamera-Aufnahmen und die Untersuchung eines Fluchtautos hat die sächsische Polizei auf die Spur der Verdächtigen gebracht. Die vor und während des Diebstahls aufgenommen Bilder hätten den Ermittlern wertvolle Hinweise zum Verhalten der Täter geben, sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft am Dienstag. Am Tatort hätten die Kriminaltechniker wichtige Spuren gesichert. Weitere Hinweise habe die Polizei aus dem sichergestellten Fluchtauto erlangt, dem als Taxi getarnten Mercedes 500.

          Berlins Innensenator: Warnzeichen an die Clan-Szene

          In dem Fall hatte es schon mehrere Einsätze in Berlin gegeben. Im September standen Betriebsstätten im Blickpunkt, hier ging es möglicherweise um das Fluchtauto. Zuvor fand die Sonderkommission „Epaulette“ Beweismaterial in einem Neuköllner Internet-Café und einer Wohnung.

          Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen im Novemer 2019 vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband.
          Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen im Novemer 2019 vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband. : Bild: dpa

          Die Festnahmen sieht Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) auch als Warnzeichen an die Clan-Szene. „Niemand sollte glauben, er könne sich über diesen Staat und seine Regeln hinwegsetzen“, erklärte Geisel am Dienstag. Die Berliner Polizei habe die Dresdner Kollegen früh mit ihrer Expertise bei den Ermittlungen unterstützt, sagte Geisel. Auch habe sie sich mit Spezialeinsatzkräften an den Razzien beteiligt.

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