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Überfall auf Casino in Manila : Räuber war spielsüchtig

Nach dem Raubüberfall am 2.Juni steigt Rauch aus dem Hotelkomplex in der philippinischen Hauptstadt Manila Bild: AP

Der Bewaffnete, der vergangene Woche ein Casino in Manila überfallen hat, war ein Mitarbeiter des philippinischen Finanzministeriums. Er hatte hohe Schulden angehäuft.

          Der Bewaffnete, der vergangene Woche ein Casino in Manila überfallen hat, war laut Polizei ein früherer Mitarbeiter des philippinischen Finanzministeriums, der wegen seiner Spielsucht hohe Schulden angehäuft hatte. Die Ermittler identifizierten am Sonntag einen Mann mit Namen Jesse Carlos als Täter. Sie veröffentlichten Aufnahmen von Sicherheitskameras, die ihn auf seinem gewalttätigen Streifzug durch das „Resorts World Manila“ zeigen sollen, einen Casino- und Hotelkomplex in der Nähe des Flughafens. Nachdem er dort Feuer gelegt hatte, erstickten 37 Menschen im Rauch. Anschließend tötete sich der Täter laut Polizei in einem Hotelzimmer selbst.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Anfang vierzig Jahre alte Filipino soll wegen seiner Sucht landesweit Hausverbot in Casinos gehabt haben. Unter anderem soll er hohe Summen am Spieltisch und bei Hahnenkämpfen verwettet haben. Die Polizei bestätigte daher, dass sie fest von Raub als Motiv ausgehe und nicht von Terrorismus. Da sich die philippinische Armee derzeit auf der Südinsel Mindanao schwere Kämpfe mit islamistischen Terroristen liefert, war zunächst ein Anschlag befürchtet worden. Zudem hatte die Terrororganisation „Islamischer Staat“ die Tat für sich reklamiert.

          Die Videoaufnahmen zeigen den Mann, der in der Nacht zum Freitag an einer Sicherheitsschleuse vorbei in das Gebäude eingedrungen war. Er legte auf den Spieltischen Feuer und verschaffte sich Zugang zu einem Raum, in dem die Spielchips des Casinos gelagert wurden. Dort stopfte er einen Rucksack mit Spielchips voll. Laut Polizei schoss er während des Überfalls nur in die Luft und auf Bildschirme, aber nicht auf Menschen. Schließlich übergoss er sich den Angaben zufolge in einem der Hotelzimmer mit Benzin und zündete sich an.

          Unklar ist, wie der Mann die Jetons wieder zu Geld machen wollte. Carlos war von seinem früheren Arbeitgeber entlassen worden, weil er einen Teil seines Besitzes nicht ordnungsgemäß deklariert hatte. Die Behörden vermuteten Korruption. Wegen seiner Spielsucht soll er sich auch mit seiner Familie zerstritten haben. Die Eltern baten der Presse gegenüber um Vergebung für ihren Sohn. Er sei ein guter Mensch gewesen, der durch seine Spielsucht auf die schiefe Bahn geraten sei. Er habe sich am Ende entschieden, sich selbst das Leben zu nehmen, anstatt andere Menschen zu töten, sagte die Mutter.

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