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Lastwagenattacke in Limburg : Tat im Drogenrausch

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte mit Übersetzer und Verteidiger im Gericht Bild: AFP

Vergangenes Jahr soll Umar A. in Limburg einen Lastwagen in seine Gewalt gebracht und damit mehrere Autos gerammt haben. Am Freitag hat er die Tat gestanden.

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          Ihm sei damals alles so dunkel erschienen, voller Angst, er habe nur die Lichter der vorbeifahrenden Autos gesehen und dann dieses hell erleuchtete Licht des Lastwagens, das anziehend gewirkt habe. Er wisse nicht mehr, was dann geschehen sei, sagt Umar A. am Freitag vor dem Limburger Landgericht.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Den Gerichtssaal hat er zuvor mit gesenktem Kopf betreten: ein junger, dunkelhaariger Mann mit Schatten um die Augen. A. muss sich wegen versuchten Mordes in 18 Fällen verantworten, zudem unter anderem wegen Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung.

          Anfang Oktober vergangenen Jahres soll er in Limburg einen Lastwagen in seine Gewalt gebracht und damit mehrere Autos gerammt und ineinandergeschoben haben; mehrere Fahrzeuginsassen wurden verletzt. Eine Frau, die ihm nach dem Vorfall helfen wollte, soll er gewürgt haben. Augenzeugen hatten ihn danach als verwirrt und erschüttert beschrieben. Zunächst war über einen politischen Hintergrund der Tat spekuliert worden. Diesen schlossen Ermittler später aus. Unklar blieb jedoch das Motiv.

          Am Freitag gesteht der 33 Jahre alte Syrer die Tat, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Seinen Ausführungen nach handelte er im Drogenrausch. „Wenn keine Drogen im Spiel gewesen wären, wäre das nie passiert.“ An jenem Tag habe er zusammen mit einem Cousin Marihuana konsumiert, eine deutlich stärkere Mischung als üblicherweise. Danach sei „alles rot“ geworden, er habe sich gefürchtet, sei „weggelaufen aus lauter Angst“, gibt A. an. Schon in Syrien, sagt der sunnitische Muslim, habe er Alkohol und Drogen konsumiert, jedoch noch relativ zurückhaltend. „Hier in Deutschland habe ich das richtig gelernt.“ Sechs bis sieben Flaschen Bier am Tag, dazu Marihuana und Kokain.

          Glasflasche auf den Kopf geschlagen

          In Syrien war er nach seiner Darstellung sowohl von Seiten des Regimes wie auch des „Islamischen Staats“ festgehalten und gefoltert worden, einmal konnte er deswegen monatelang nicht laufen. Im November 2015 floh er so wie Hunderttausende seiner Landsleute über die Balkanroute nach Deutschland.

          Er kann als Beispiel dafür dienen, dass damals nicht – wie zunächst erhofft – nur die gut Ausgebildeten kamen, sondern ein Querschnitt der Gesellschaft: A. hatte die Schule nach der sechsten Klasse abgebrochen, immer wieder wechselte er den Job. Mal fuhr er Taxi, mal Kleinbusse, mal Lastwagen. In Deutschland schlug er sich durch, war teilweise mittellos, kam bei verschiedenen Verwandten unter, denen er offenbar oftmals zur Last wurde.

          Mehrmals trat er polizeilich in Erscheinung, unter anderem wegen Diebstahls sowie wegen gefährlicher Körperverletzung: In Frankfurt schlug er jemandem eine Glasflasche so auf den Kopf, dass diese zerbrach. Weil er jedoch zum Tatzeitpunkt betrunken war, galt nur eine verminderte Schuldfähigkeit.

          Diese könnte auch im Fall der Lastwagenfahrt greifen. Möglicherweise ordnet das Gericht auch eine Unterbringung in einer Entziehunganstalt an. Er wolle sich „auf das äußerste“ entschuldigen, sagt A. am Freitag noch, er habe „nie die Absicht gehabt, andere zu schädigen“, es tue ihm alles wirklich sehr leid.

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