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Synthetische Drogen : Tod im Tütchen

Hübsch verpackte Drogen, die das Kriminaltechnische Institut des Landeskriminalamtes Berlin sichergestellt hat Bild: Juergen Blume

Synthetische Drogen fluten den Markt in Deutschland und sind schon für ein paar Euro zu haben. Die psychoaktiven Stoffe sind hochgefährlich.

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          Auf dem Tütchen in Regenbogenfarben ist ein schwarzer Schmetterling abgebildet. In dem Tütchen ist eine Drei-Gramm-Mischung, die der promovierte Chemiker Michael Uhl, Leiter des Sachgebiets Chemie im Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA), als „toxisches Roulette“ bezeichnet: Gemeint sind damit synthetische Cannabinoide, die zu den neuen psychoaktiven Stoffen (NpS) gehören. Deren Konsum endet im besten Falle mit einem Rausch, im schlechtesten mit dem Tod. Seit ein paar Jahren fluten NpS den Markt: Die glitzernden Verpackungen, die wie Sammelbildchen-Tüten aussehen, sind schon für zehn bis zwanzig Euro im Internet zu haben. Gekauft werden sie vor allem von jungen Leuten unter zwanzig Jahren. Auf den Packungen mit Namen wie „Bonsai Summer Boost“, „Psycho“, „Jamaica Gold“ oder „Hydro“ werden weder der wirkliche Inhalt noch der Zweck genannt: Verkauft werden sie als „Kräutermischungen“, die der „Raumluftverbesserung“ dienen, keine „illegalen Stoffe“ enthalten und „auf keinen Fall“ konsumiert werden sollten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der billige Rausch ist teuer erkauft. Synthetische Drogen wie NpS sollen angeblich die Wirkung herkömmlicher Drogen wie Marihuana oder Morphin imitieren – in Wirkung und Gefährlichkeit übertreffen sie diese jedoch häufig. Denn die Risiken durch den Konsum von NpS, unter denen die synthetischen Cannabinoide die zahlenmäßig wichtigste Gruppe darstellen, sind gravierend: Herzrasen, Fieber, Halluzinationen, Psychosen mit Angstzuständen und Aggressionen gehören ebenso zu den möglichen Folgen wie Nierenversagen, Kollaps und Tod. Acht Menschen haben nach Angaben des BLKA allein in Bayern im vergangenen Jahr den Konsum von NpS mit dem Leben bezahlt. Wie viele Todesopfer in ganz Deutschland zu beklagen sind, ist schwer festzustellen. Nicht jeder Drogentote wird obduziert.

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