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Stuttgart : Mutter gesteht Mord

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Sie sei überfordert gewesen und habe deshalb die vier Jahre alte Tochter in den Neckar gestoßen, gestand die angeklagte Mutter Bild: ddp

Sie habe ihre vier Jahre alte Tochter von hinten gepackt und über ein Brückengeländer in den Neckar gestoßen, sagte sie vor Gericht aus. Als Motiv nannte sie Überforderung, ihr sei „alles zu viel“ gewesen.

          Zu Beginn des Mordprozesses um den Tod eines vier Jahre alten Mädchens im Neckar hat die angeklagte Mutter ein Geständnis abgelegt. Die 34 Jahre alte Frau räumte vor dem Landgericht Stuttgart ein, ihre Tochter von hinten gepackt und über ein Brückengeländer in den Fluss gestoßen zu haben. Als Motiv gab sie Überforderung an. Ihr sei „alles zu viel“ gewesen.

          Die Angeklagte gab an, sich spontan entschlossen zu haben, ihre Tochter und sich selbst umzubringen. Sie sei am Tattag im Dezember 2008 zunächst bei ihrer Mutter gewesen und habe in einem Supermarkt eingekauft. Erst danach habe sie sich zu der Tat entschieden. Sie habe sich unerwünscht, alleingelassen und „fix und fertig“ gefühlt. „Dann bin ich zur Brücke gegangen und habe das gemacht“, sagte sie.

          „Ich wollte immer eine gute Mutter sein“

          Das Kind habe nichts geahnt. Unmittelbar vor der Tat habe das Mädchen noch gefragt, ob es Karussell fahren gehen könne. Die gelernte Einzelhandelskauffrau erklärte, sie und ihr Mann hätten sich das Kind „sehr gewünscht“. Nach der Geburt sei sie aber mit ihrer Tochter immer allein gewesen, während der Vater teilweise bis nachts gearbeitet habe.

          „Kein Mensch“ außer ihr selbst habe sich um das Kind gekümmert. „Ich wollte immer eine gute Mutter sein“, sagte die Angeklagte. Sie habe aber zunehmend Ängste entwickelt, dieser Rolle nicht gerecht zu werden.

          In wenigen Minuten ertrunken

          Das Mädchen war den Obduktionsergebnissen zufolge innerhalb weniger Minuten ertrunken. Die Leiche wurde Mitte Dezember von einem Schleusenwärter in Stuttgart-Untertürkheim entdeckt. Wenige Stunden nach dem Fund stellte sich die Mutter der Polizei und gestand die Tat.

          Die Angeklagte, die keine weiteren Kinder hat, lebte nach außen hin in geordneten Verhältnissen als Mutter und Hausfrau. Nach der Tat wollte sie sich nach eigenen Aussagen selbst umbringen, entschied sich dann aber anders.

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