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Studie zu Stalking : Strengere Gesetze schrecken Stalker nicht ab

Stalker sind in häufig oft Ex-Partner, die Informationen über die Opfer haben. Bild: Picture-Alliance

Die härteren Strafen gegen Stalking halten Täter nicht ab, wie eine Studie zeigt. Ein Problem ist nach wie vor, das Stalking nachzuweisen. Der „Weiße Ring“ verweist auf seine App, um Übergriffe zu Beweiszwecken zu dokumentieren.

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          Auch eine verschärfte Gesetzeslage scheint Stalker nicht abzuschrecken: Die Anzahl der Betroffenen, denen permanent nachgestellt wird, ist in den vergangenen 15 Jahren nicht zurückgegangen. Das ist das Ergebnis einer Studie für die Stadt Mannheim, die das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) im Auftrag der Stiftung der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ erarbeitet hat.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dabei genügt es für die Strafbarkeit der Täter mittlerweile, wenn ihre Handlungen „objektiv“ geeignet sind, das Leben der Betroffenen zu beeinträchtigen. Bis zur Gesetzesänderung vor zwei Jahren musste hingegen die schwerwiegende Beeinträchtigung anhand der Reaktion der Opfer nachgezeichnet werden, zum Beispiel durch einen Umzug der Betroffenen.

          Das ZI hat für die Untersuchung im vergangenen Jahr tausend Frauen und tausend Männer in Mannheim angeschrieben. Diese Daten wurden dann mit einer Erhebung aus dem Jahr 2003 verglichen. Von den 2018 Befragten haben 10,8 Prozent angegeben, von Stalking betroffen zu sein. Fünfzehn Jahre zuvor war dieser Anteil mit 11,6 Prozent fast identisch. Die Studie ist nach Angaben des ZI repräsentativ für Mannheim, aber nicht für ganz Deutschland.

          „Stalking ist psychische Gewalt“

          Nach wie vor sind die gesundheitlichen Folgen des Stalking, das überwiegend Frauen betrifft, gravierend. „Stalking ist psychische Gewalt und eine schwerwiegende Straftat. Die Opfer leiden teils jahrelang unter den Folgen der permanenten Nachstellung und Belästigung“, kommentierte der „Weiße Ring“ am Donnerstag das Ergebnis der Studie. Stalking werde daher zu einem zunehmend wichtigeren Thema in der Opferarbeit. Gezeigt hat die Studie auch, dass inzwischen mehr Opfer professionelle Hilfe suchen, allerdings nur 34,8 Prozent der Betroffenen, trotz der gesundheitlichen Folgen. 2003 waren es 27 Prozent.

          Von Nachstellungen am Arbeitsplatz oder vor der Wohnungstür abgesehen, bieten Internet und soziale Medien Stalkern zusätzliche Möglichkeiten für ihre Übergriffe. Die Anzahl der Betroffenen erhöht sich jedoch laut Studie dadurch nicht in statistisch signifikantem Umfang. Das Hauptproblem sei nach wie vor, dass es meist Ex-Partner sind, die zum Stalker oder zur Stalkerin werden. Diese verfügen oft über sensible Informationen: Sie kennen die Adresse des Fitnessstudios, Passwörter und Arbeitszeiten.

          Die neuen rechtlichen Möglichkeiten, gegen Stalker vorzugehen, werden von rund der Hälfte der Betroffenen im Jahr 2018 als „nicht ausreichend“ eingeschätzt. Zudem ist es oft schwierig, das Stalking nachzuweisen. Der „Weiße Ring verweist hier auf die von ihm entwickelte App „No Stalk“. Mit der kostenlosen App könnten Fotos, Videos und Sprachaufnahmen von den Übergriffen erstellt werden. Durch die unmittelbare Dokumentation werde eine „authentische Beweissammlung“ ermöglicht. Auf diese Weise könne auch die Verurteilungsquote erhöht werden: Im Jahre 2017 lag sie demnach bei etwa einem Prozent der in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Stalking-Fälle. Zudem können Betroffene sich auch anonym an die Onlineberatung oder das Opfer-Telefon des „Weißen Ring“ wenden. Das ZI in Mannheim bietet darüber hinaus eine Spezialambulanz für Opfer an.

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