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Smartphone als Waffe : Cybermobbing nimmt zu

Cybermobbing breitet sich immer weiter aus. Smartphones sind dabei die beliebteste „Waffe“ der Täter. Bild: dpa

Verunglimpfung im Netz breitet sich laut einer Studie weiter aus. Die Forscher kritisieren Deutschland: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern fehle es hier an Gegenmaßnahmen.

          Mobbing breitet sich in digitalen Medien immer weiter aus, wobei Smartphones inzwischen die beliebteste „Waffe“ von Tätern sind, die andere im Internet verunglimpfen, einschüchtern und bedrohen wollen. Dies ist eine der Schlussfolgerungen einer Studienbefragung, die im Auftrag des Versicherungsunternehmens Arag vom Institut für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln ausgeführt wurde.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Catarina Katzer, die Leiterin des Instituts, bemängelte, weder in Deutschland noch in anderen Ländern werde der Ausbreitung von Cyber-Mobbing und der Erosion von Persönlichkeitsrechten im Internet ausreichend Beachtung geschenkt; es werde nicht genug zur Bekämpfung und Vorbeugung getan.

          Katzer sprach bei der Vorstellung der Studie in Berlin von Cybermobbing als einer „Zeitbombe des Internets“. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern zunehmend auch Erwachsene seien Opfer von Mobbingangriffen, die sowohl auf das Privatleben als auch auf das berufliche Umfeld der Betreffenden zielten. Die Studie gibt einen Überblick über den Stand des Cybermobbings anhand einer Reihenabfrage, an der 64 Fachleute und Wissenschaftler aus sieben Ländern teilnahmen. Daraus ergab sich, dass internetfähige Telefone nicht allein das am meisten genutzte Mobbingmittel sind, sondern diese Geräte der leichten Handhabbarkeit wegen die „Eintrittsschwelle“ für Mobbingaktionen senken.

          Täter und Opfer werden immer jünger

          Die Forscher berichten überdies, dass aggressives Verhalten im Internet wachse und dass zudem die Grenzen zur realen Welt immer mehr verschwömmen. Weitere Feststellungen lauten: Täter und Opfer werden immer jünger, die Gefahr anhaltender psychischer Verletzungen wird größer. Vor allem Jugendliche überschätzten ihre Fähigkeiten in der Beherrschung digitaler Medien. Ihr übergroßes Selbstbewusstsein lasse sie schneller zu Opfern von Cybergewalt werden.

          Aus den Antworten der Fachleute hat sich nach den Feststellungen der Studie ergeben, dass in Großbritannien am meisten getan wird, um die Risiken des Cybermobbing bewusst zu machen und ihnen vorzubeugen. So habe das Vereinigte Königreich schon vor 14 Jahren eine gesetzliche Verpflichtung für alle Schulen geschaffen, gegen Bullying und Mobbing vorzugehen, vor zwei Jahren sei diese Regelung um Bestimmungen gegen Cybermobbing ergänzt worden.

          Auch Norwegen habe solche Wege beschritten. In den Niederlanden sei seien die Schulen dazu verpflichtet, dem Mobbing in digitalen Medien vorzubeugen. In Deutschland fehle an Konzepten für Schule und Lehrerausbildung. Das Angebot an Hilfe und Beratung für Opfer von Cybermobbing sei „völlig unzureichend“.

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