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Streit um Gewinnspiel : Auto gewonnen, Freunde verloren

  • -Aktualisiert am

Kronkorken aus einer Gewinnaktion: Wem gehört das Auto, wenn alle gemeinsam trinken? Bild: dpa

Beim Biertrinken entdecken Freunde einen Kronkorken mit Hauptgewinn. Wem gehört der? Das musste erst ein Gericht entscheiden. Über das Ende einer Freundschaft.

          3 Min.

          Dieser traurige Fall von fünf Freunden, über den am Donnerstag das Landgericht Arnsberg sein Urteil sprach, zeigt auf äußerst originelle Weise vor allem zweierlei: dass der Konsum von Alkohol menschliche Beziehungen beleben kann – und zerrütten.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Es war ein Wochenende im Mai 2015. Die fünf Freunde, zwei junge Frauen, drei junge Männer, machten sich an einem Freitag von ihrer Heimat, dem Sauerland, mit Motorrädern und einem Auto auf, um ein gemeinsames Wochenende am sehr schönen, nordhessischen, Edersee zu verbringen. Der Ausflug stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Einer der Freunde, im Prozess der Beklagte, hatte auf der Hinfahrt eine Panne mit seinem Motorrad, er musste umkehren und stieß erst wieder am Samstag zu der Gruppe. Auch das Wetter war, für Nordhessen nicht untypisch, schlecht, so dass die Freunde von ihrem Plan zu zelten Abstand nehmen mussten. Sie mieteten sich eine Ferienwohnung. Inwieweit der Beklagte in diese Entscheidung eingeweiht war, ist nur einer der Punkte, über die unter den Freunden Uneinigkeit herrscht.

          Klar ist: Am Samstag fuhr dasjenige Mitglied der Gruppe, das ein Auto hatte, zu einer Tankstelle, um dort Bier zu kaufen. Die junge Frau, die vor Gericht als Klägerin auftrat, begleitete ihn nach eigenem Bekunden, der Beklagte bestritt das. Gekauft wurden zwei Kisten einer ziemlich bekannten Marke, die damals ein Kronkorkengewinnspiel veranstaltete. Für die Kaufentscheidung spielte das angeblich keine Rolle. Der männliche Käufer streckte das Geld für den Bierkauf vor – es bestand aber zu diesem Zeitpunkt bereits Einigkeit, dass am Ende des Wochenendes die Aufwendungen für Kost und Logis durch fünf geteilt würden, und zwar ohne Ansehen der Menge des vom je einzelnen konsumierten Alkohols. Nur die nicht getrunkenen Biere, so die Darstellung des Beklagten, seien schließlich nicht in die Schlussrechnung mit eingeflossen.

          Wenn auch die anderen Geld wollen, müssen sie vor Gericht ziehen

          Im Lauf des Samstags stieß der Beklagte wieder zur Gruppe. Abends wurde in der Ferienwohnung getrunken, die Freunde saßen dabei um einen Tisch. Doch was passierte dann? Der Beklagte sagte aus, er habe einem Freund eine Bierflasche gegeben und ihn gebeten, sie für ihn zu öffnen. Die Klägerin widersprach: Der Beklagte habe zunächst in der gerade laufenden Bierrunde gar nicht mittrinken wollen. Erst als er gesehen habe, wie der andere Freund eine Flasche angeblich zum Eigenverzehr aufgemacht hatte, habe der Beklagte diesen gebeten, die geöffnete Flasche doch an ihn weiterzureichen. Der andere Freund legte den Kronkorken auf den Tisch – ohne dass ihm daran etwas aufgefallen wäre.

          Der Beklagte jedoch sah, dass sich der Korken von den anderen an der Unterseite unterschied. Der achtlos auf den Tisch gelegte oder auch geworfene Kronkorken sei noch in der Bewegung gewesen, so der Beklagte, als er diesen an sich genommen habe. Und siehe da: Es war der ausgelobte Gewinn, ein Auto einer bekannten Ingolstädter Firma. Das verheimlichte der Beklagte den anderen nicht. Angeblich kippte sodann die Stimmung in der Ferienwohnung. Der Beklagte führt das auf den Neid der anderen zurück, es mag aber auch an seinem festen Willen gelegen haben, den Gewinn allein für sich zu beanspruchen.

          Tatsächlich holte er sich das fast 30.000 Euro wertvolle Auto ab, fuhr mit ihm einige Tausend Kilometer, und verkaufte es dann mit deutlichem Wertverlust. Die Klägerin, die zu diesem Zeitpunkt wie die anderen aus der Gruppe, schon nicht mehr mit ihm befreundet war, wollte sich das nicht bieten lassen. Sie ging vor Gericht und pochte auf ein Fünftel des Listenpreises: 5736 Euro. Das Angebot des Beklagten, etwa 1000 Euro, schlug sie aus, ein vom Gericht vorgeschlagener Vergleich, 3500 Euro, wurde von beiden Seiten abgelehnt. Die Klägerin argumentierte unter anderem, faktisch sei für dieses Wochenende eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gebildet worden, „mit dem Zweck eines Umtrunkes“; in diesem Fall hätte man die Gewinnansprüche als Teil des Gesellschaftsvermögens sehen können und sie nach Erfüllung des Gesellschaftszwecks aufteilen müssen. Dieser Argumentation folgte das Gericht nicht.

          Dennoch sprach es der jungen Frau 4268 Euro zu. Zur Begründung führte es aus: Da die Freunde vor Ausflugsantritt beschlossen hätten, die Ausgaben zu teilen, seien sie alle „Miteigentümer“ an dem Kronkorken geworden; bei den (Pfand-)Flaschen sähe die Sache womöglich schon wieder anders aus, da könnte das Eigentum beim Hersteller verblieben sein, aber darauf wollte und musste das Gericht nicht näher eingehen. Der beklagte Mann jedenfalls hätte sich mit den anderen abstimmen müssen. Er hat nach Ansicht des Gerichts gegen die Rechte der anderen Miteigentümer, die sich aus Paragraf 745 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ergeben, verstoßen. Das Gericht entschied weiter, dass anders als von der Klägerin vorgetragen der Listenpreis des Autos nicht dessen tatsächlicher Marktwert ist. Es nahm daher einen Abschlag von 20 Prozent vor. Das Urteil, gegen das Berufung eingelegt werden kann, betrifft nur die Klägerin und den Beklagten. Wenn auch die anderen noch Geld wollen, müssen sie nun ebenfalls vor ein Gericht ziehen.

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