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Justizminister unter Druck : Streit in Italien um Haftverschonung für Mafiosi

Unter Druck: Justizminister Alfonso Bonafede Bild: Reuters

In Italien bleiben Hunderte Mafiosi vorübergehend von der Haft verschont. Weil die Empörung darüber so groß ist, will der Justizminister nun mit einem Dekret die sofortige Rückkehr der Mafiosi in ihre Haftanstalten erreichen.

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          In Italien wollen die rechten Oppositionsparteien Justizminister Alfonso Bonafede von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung zu Fall bringen. Hintergrund für den Misstrauensantrag, über den am Mittwoch im Parlament debattiert werden soll, ist die vorübergehende Haftverschonung für 376 Mafiosi, unter ihnen Clanbosse. Die teils zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilten Verbrecher durften wegen gesundheitlicher Probleme und des erhöhten Risikos einer Ansteckung mit dem Coronavirus die Gefängnisse verlassen und befinden sich im Hausarrest.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auch Pasquale Zagaria, der Bruder des als „Super-Boss“ bekannten Anführers des Camorra-Clans der Casalesi, Michele Zagaria, konnte Ende April von seiner Einzelzelle in einem Gefängnis auf Sardinien in das Haus seiner Familie in Brescia in Norditalien umziehen. Der 60 Jahre alte Zagaria, Finanzchef des Casalesi-Clans, war 2007 zu 20 Jahren Einzelhaft verurteilt worden und hatte sich kürzlich einer Tumoroperation unterzogen.

          Meutereien von Clans organisiert

          Die Liste mit den Namen der Mafiosi, zu denen Bosse der Camorra aus Neapel, der kalabrischen ’ndrangheta, der sizilianischen Cosa Nostra sowie der Sacra Corona Unita aus Apulien gehören, war Anfang dieser Woche der Presse zugespielt worden. Seither sieht sich Bonafede, der als Justizminister für den Strafvollzug politisch verantwortlich ist, einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Der prominente sizilianische Mafiajäger Nino Di Matteo wirft dem Minister zudem vor, dieser habe 2018 seine Ernennung zum Chef der nationalen Gefängnisverwaltung auf Drängen inhaftierter Mafiabosse hintertrieben.

          Bonafede weist die Vorwürfe als absurd zurück. Mit einem Dekret will der Minister nun die sofortige Rückkehr der Mafiosi in ihre Haftanstalten erreichen. Die Gefängnisverwaltung hatte die vorzeitige oder vorübergehende Haftentlassung von insgesamt 6000 Gefängnisinsassen verfügt, nachdem es Anfang März zu Meutereien in Dutzenden Haftanstalten gekommen war. Inzwischen sind die Behörden davon überzeugt, dass die Meutereien in den chronisch überbelegten Gefängnissen von diversen Clans organisiert worden waren. In den Haftanstalten des Landes, die für insgesamt 51.000 Insassen ausgelegt sind, saßen zuletzt 61.000 Verurteilte ihre Strafe ab.

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