https://www.faz.net/-gum-6m85q

Strauss-Kahns Zimmermädchen spricht : „Ich will ihn ins Gefängnis gehen sehen“

Hält an den Vergewaltigungsvorwürfen fest: Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo Bild: AFP

In zwei Interviews äußert sich das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo erstmals zu ihrer mutmaßlichen Vergewaltigung durch Dominique Strauss-Kahn. Sie fordert seine Bestrafung.

          Es begann mit zwei Worten: „Hello? Housekeeping!“ Die Suite 2806 im 28. Stock des Hotels „Sofitel“ in New York sollte eigentlich leer sein. Das zumindest hatte einer der Etagenkellner dem Zimmermädchen gesagt. Doch plötzlich stand Nafissatou Diallo ein Mann mit weißen Haaren und nur einem Handtuch um die Hüften gegenüber. „Oh, mein Gott! Es tut mir leid.“ - „Es muss dir nicht leid tun.“ Diallo, mit 1,78 Metern größer als der Mann, hatte trotzdem keine Chance. „Du bist schön“, habe er gesagt. „Ich sagte zu ihm: ,Sir, lassen Sie das. Ich will meinen Job nicht verlieren.‘“ Er habe geantwortet: „Du verlierst deinen Job nicht.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Brutal habe er sie zwischen den Beinen gepackt, so dass später im Krankenhaus noch eine rote Stelle zu sehen gewesen sei. Im Badezimmer zwang er sie zum Oralverkehr. Er habe, so sagt Diallo im Interview, gestöhnt und gesagt: „,Lutsch meinen ...‘ - ich will das nicht wiederholen.“ Im Bericht des Krankenhauses heißt es später: „Sie fühlte etwas Feuchtes und Saures in ihrem Mund und spuckte es auf den Boden.“ Was sie ausspuckte, ist heute ein Hauptbeweisstück der Anklage im Fall Dominique Strauss-Kahn.

          Sie habe Angst gehabt, alles zu verlieren

          Mehr als zwei Monate nach dem angeblichen sexuellen Übergriff durch den damaligen Chef des Internationalen Währungsfonds hat nun erstmals das mutmaßliche Opfer, die 32 Jahre alte Guineerin Nafissatou Diallo, öffentlich über den 14. Mai gesprochen. Sie habe nie in die Öffentlichkeit gehen wollen, aber man lasse ihr keine Wahl, sagte sie unter anderem dem Sender ABC. „Ich muss um meiner selbst Willen in die Öffentlichkeit. Ich muss die Wahrheit sagen.“

          Das mutmaßliche Opfer Nafissatou Diallo (links) spricht mit der ABC News-Journalistin Robin Roberts (rechts)

          Dass die Frau, die weder lesen noch schreiben kann und 2003 in die Vereinigten Staaten einwanderte, die Wahrheit sagt, daran glauben auch die Autoren des Artikels „The Maid's Tale“ (Die Geschichte des Zimmermädchens), der am Montag in „Newsweek“ erschien. Drei Stunden lang befragten sie Diallo zu Ungereimtheiten in ihrer Biographie und in ihren Aussagen gegenüber der Polizei. Warum sie nach dem Übergriff zunächst weiter ihrer Arbeit nachging und erst eineinhalb Stunden nach der Attacke und nach Gesprächen mit etlichen Kollegen die Polizei verständigte, erklärt sie mit der Angst, sie könnte alles verlieren, wofür sie so lange gearbeitet habe. Die drei Jahre Arbeit in dem „Sofitel“, 14 Zimmer am Tag, 25 Dollar in der Stunde plus Trinkgeld - das sei der beste Job ihres Lebens gewesen. Mehr habe sie nicht zu träumen gewagt.

          Worte aus dem Zusammenhang gerissen

          Wer ihr angeblicher Peiniger war, will Diallo erst am nächsten Tag erfahren haben. „Sie sagten im Fernsehen, er werde der nächste Präsident Frankreichs sein. Und ich dachte, die bringen mich jetzt um.“ An jenem Tag gab es aber auch den Anruf bei einem gewissen Amara Tarawally, dem Neffen eines Manns, für den Diallo anfangs in Amerika gearbeitet hatte. Tarawally, der ursprünglich aus Sierra Leone stammt, handelte mit gefälschter Ware und schleuste große Summen Geldes über das Konto von Diallo. Sie nennt ihn „einen Freund“ - allerdings von früher, nicht mehr von heute, weil er sie ausnutzte. Am 15. Mai rief sie Tarawally, der wegen eines Rauschgiftdelikts einsitzt, im Gefängnis an: „Mach Dir keine Sorgen, der Typ hat eine Menge Geld. Ich weiß, was ich tue.“ Diese Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen, sagt sie nun in „Newsweek“, verkürzt wieder gegeben, womöglich aus einem ganz anderen Gespräch. Auch die Geschichte ihrer Vergewaltigung in Guinea durch zwei Soldaten, die sie als Grund angab, warum sie um Asyl in den Vereinigten Staaten nachsuchte, sei wahr, sagt Diallo. Sie habe sie nur ein wenig ausgeschmückt. Was übrigens nicht nötig gewesen wäre: Denn der Nachweis einer Genitalbeschneidung reicht als Asylgrund - was sie aber offensichtlich nicht wusste.

          „Newsweek“ beschreibt Diallo nicht nur als stolze Mutter einer 15 Jahre alten Tochter, sondern auch als Frau, die stolz war auf ihre Arbeit. Nachdem sie anfangs schrecklich Angst hatte, sei sie nun wütend: „Ich will ihn ins Gefängnis gehen sehen. Ich möchte, dass er weiß, dass es Orte gibt, an denen einem selbst Geld und Macht nicht helfen, wenn man so etwas getan hat.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Grünen-Chef Robert Habeck

          Kanzlerfrage : Habeck hängt Kramp-Karrenbauer ab

          Der Grünen-Chef würde bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers laut einer Umfrage doppelt so viele Stimmen erhalten wie seine Amtskollegin bei der CDU. Mit Friedrich Merz als Kandidat sähe die Lage anders aus.
          Indiens Regierungschef Narendra Modi und der amerikanische Präsident Donald Trump

          Handelsstreit mit Amerika : Indien erhebt Vergeltungszölle

          In Asien bekommt Donald Trump einen weiteren Gegner im Handelskonflikt. Erst strich der amerikanische Präsident Indien Sondervergünstigungen. Nun wehrt sich die Regierung in Neu Delhi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.