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Straßburg : Lebenslange Haft für Großmutter nach Foltertod des kleinen Nicolas

  • Aktualisiert am

Die Verteidiger der Großmutter Bild: dpa/dpaweb

Im Prozeß um den zu Tode gequälten Nicolas müssen die schuldigen Familienmitglieder für lange Jahre ins Gefängnis. Das Schwurgericht in Straßburg verurteilte die Großmutter als Hauptanstifterin zu lebenslanger Haft.

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          Im Prozeß um den zu Tode gequälten kleinen Nicolas müssen die schuldigen Familienmitglieder für lange Jahre ins Gefängnis. Das Schwurgericht in Straßburg verurteilte an diesem Freitag die 55jährige Großmutter als Hauptanstifterin der Gewalttaten zu lebenslanger Haft. Die 34 Jahre alte Mutter des Jungen erhielt 26 Jahre, der 48jährige Vater 10 Jahre. Der mitschuldige Onkel muß für 16 Jahre ins Gefängnis. Damit folgte das Gericht im wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Schuldspruch lautete auf Folter und Barbarei mit Todesfolge.

          Der neunjährige Nicolas war im Sommer 2003 wochenlang geschlagen, gepeinigt und an Händen und Füßen gefesselt worden, bis er an einer Hirnblutung gestorben war.

          Keine Grenzen der Gewalt gekannt

          Während der siebentägigen Verhandlungen vor Gericht konzentrierten sich die Schuldzuweisungen auf die Großmutter. Die Portugiesin sei „ein Despot und ein Tyrann, der keine Grenzen der Gewalt kennt“, sagte der Verteidiger der Eltern, Florent Girault. Die Gerichtspsychiater nannten sie „egozentrisch, kaltherzig und autoritär“. Die Söhne der 55jährigen erklärten, sie habe den Jungen am häufigsten geschlagen, weil er sich als einziger in der Familie der Allmacht der Großmutter widersetzt habe.

          Mit dem Einzug der Frau in die beengte Drei-Zimmerwohnung in einem Straßburger Problemviertel sei „der Wolf in den Schafstall gekommen“, sagte der Anwalt der Eltern. Die Verteidigerin der Großmutter erklärte dagegen, ihre Mandantin habe den Tod ihres Enkels niemals gewollt. Der Junge sei bereits vorher systematisch geschlagen worden.

          Großmutter: „Hätte in Portugal bleiben sollen“

          Der Vater kämpfte während der Verhandlungen häufig mit den Tränen, während die Mutter ihren Blick gesenkt hielt. Beide Eltern gaben Prügeleien zu, schoben jedoch die Hauptschuld auf die Großmutter. „Für sie waren die Kinder Sklaven. Sie behandelte die Haustiere besser als Nicolas und seine drei Schwestern“, sagte der Vater. Die Großmutter zeigte vor Gericht keine Gefühlsregungen. „Ich hätte in Portugal bleiben sollen“, sagte sie lediglich.

          Im Sommer 2003 war Nicolas wochenlang geprügelt worden und bekam kaum zu trinken, weil er zum Bettnässer geworden war. Nachts wurde er an Händen und Füßen gefesselt. Der kleine Junge war am 8. August nach mehreren Schlägen mit dem Kopf gegen ein Möbelstück gestürzt und am folgenden Tag an einer Gehirnblutung gestorben.

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