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Kriminalitätsstatistik : Anreisen, einbrechen, abreisen

Eine zerstörte Fensterscheibe im Januar 2016 in Leipzig. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere stellt am Montag die Kriminalitätsstatistik für 2015 vor. Bild: dpa

Die Kriminalitätsstatistik zeigt: Die Zahl der Straftaten ist 2015 insgesamt leicht gestiegen. Wohnungseinbrüche nehmen stark zu, andere Straftaten wie Mord und Vergewaltigung hingegen ab.

          Die Zahl der Wohnungseinbrüche und Einbruchsversuche ist in Deutschland im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent gestiegen, andere Delikte sind zurückgegangen: Die Zahl der Sachbeschädigungen sank um vier Prozent, Betrugsfälle nahmen um knapp sieben, Tankbetrug nahm um knapp acht Prozent ab. Insgesamt blieb die Zahl der registrierten Straftaten (5.927.908) im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr (5.925.668) fast gleich – wenn die sogenannten ausländerrechtlichen Verstöße (mehr als 400.000) unberücksichtigt bleiben. Bei dieser Fallgruppe handelt es sich überwiegend um Delikte des illegalen Grenzübertritts, die von Flüchtlingen beim Überqueren der Landesgrenzen nach Deutschland zwangsläufig begangen, aber nicht verfolgt werden, sobald die Betreffenden in Deutschland registriert sind und eine Aufenthaltsgestattung erhalten.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der die Polizeiliche Kriminalstatistik für das abgelaufene Jahr am Montag in Berlin vorstellte, nannte den Anstieg der Wohnungseinbrüche um mehr als 15.000 auf 167.136 erfasste Fälle „besorgniserregend“, auch wenn die Zahlen noch immer niedriger seien als vor rund 20 Jahren. Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hingegen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche und Einbruchsversuche um mehr als ein Drittel gestiegen. Die Zunahme der Einbruchsfälle sei „vor allem auf reisende Tätergruppen aus Südost- und Osteuropa“ zurückzuführen, sagte de Maizière, die mit Methoden vorgingen, wie man sie sonst nur aus anderen Deliktfeldern der Organisierten Kriminalität kenne. Insgesamt konnten nur 17.670 Fälle der Einbrüche und Einbruchsversuche aufgeklärt werden – daraus errechnet sich eine niedrige Quote von 15,2 Prozent. Die allgemeine durchschnittliche Aufklärungsquote aller Straftaten betrug im vergangenen Jahr hingegen 53,4 Prozent, sie war etwa so hoch wie im vorhergehenden Jahr. Bei den aufgeklärten Wohnungseinbrüchen wurden in 40 Prozent der Fälle ausländische Tatverdächtigte ermittelt, in zehn Prozent der Fälle handelte es sich um nicht langfristig in Deutschland ansässige Zuwanderer.

          Rückgang bei Mord und Totschlag

          Der Bundesinnenminister erinnerte an bestehende finanzielle Zuschussprogramme des Bundes für Wohnungs- und Hausinhaber, die ihre Diebstahlsicherungen an Türen und Fenstern verstärken wollten. Da mehr als 40 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium „steckenbleiben“, sei es „richtig, in präventive Maßnahmen zu investieren“.

          Zugleich müsse aber auch die Zusammenarbeit der Polizei international verbessert werden, um die Einbrecherbanden auch in ihren Herkunftsländern wirksamer verfolgen zu können; es gebe Gespräche hierüber mit Bulgarien, Rumänien und Georgien.

          Den größten Anteil an allen fast sechs Millionen registrierten Straftaten bilden weiterhin die Diebstähle (2.483.694 Fälle); ihre Zahl stieg gegenüber 2014 leicht um 1,8 Prozent. Dabei nahmen vor allem Taschendiebstähle zu (3,9 Prozent), während Diebstähle aus Hotels und Fahrraddiebstähle jeweils um mehr als fünf Prozent abnahmen.

          Bei den Kapitalverbrechen sank die Zahl in den Kategorien Mord und Totschlag (um 2,9 Prozent auf 2116 Taten) und Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (um 4,4 Prozent auf 7022 Taten), während sie bei schwerer Körperverletzung um 1,3 Prozent auf 127.395 Taten stieg.

          Berlin bleibt Hauptstadt des Verbrechens

          Die Kriminalstatistik verzeichnete 2015 insgesamt 2.011.898 Tatverdächtige, das waren (die ausländerrechtlichen Verstöße nicht gerechnet) 0,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Knapp drei Viertel der Tatverdächtigen waren Männer, der Anteil der Nichtdeutschen betrug mehr als ein Viertel – er steigerte sich gegenüber 2014 um 12,8 Prozent. De Maizière wies am Montag auf die positive Entwicklung hin, dass sowohl die Jugendkriminalität als auch die Jugendgewalt im vergangenen Jahr gegenüber den Vorjahren abgenommen habe.

          Nach wie vor zeigt die Statistik in der Kriminalitätshäufigkeit große regionale Unterschiede. Baden-Württemberg ist statistisch das sicherste Bundesland (5761 erfasste Fälle je 100.000 Einwohner), Berlin ist der Ort mit der höchsten Kriminalitätsrate (16.414 Fälle je 100.000 Einwohner). Der Mittelwert liegt, bezogen auf die gesamte Bundesrepublik, bei 7797 Fällen je Einwohner. Markant unter dem Durchschnittswert liegen auch Bayern und Hessen, markant darüber liegen die Stadtstaaten Hamburg und Bremen, aber auch die Flächenländer Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

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