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Weniger Straftaten : Berlin ist wieder ein Stück sicherer geworden

  • Aktualisiert am

Eine Polizeistreife steht kurz vor Weihnachten auf dem Berliner Alexanderplatz. Bild: dpa

Die Berliner Polizei veröffentlicht ihre Kriminalstatistik für das Jahr 2017 – und verzeichnet vor allem weniger Einbrüche und Taschendiebe. Sorgen bereitet jedoch der Anstieg fremdenfeindlicher Kriminalität.

          In der Hauptstadt ist die Kriminalität im vergangenen Jahr weiter gesunken. Die polizeiliche Kriminalstatistik Berlins weist für das Jahr 2017 insgesamt 520.437 Straftaten auf, das entspricht einem Rückgang von 8,5 Prozent zum Vorjahr. Die Zahl politisch motivierter Delikte ist im vergangenen Jahr gegenüber 2016 um zehn Prozent zurückgegangen. Insgesamt wurden 4.239 Fälle registriert, wie Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf einer Pressekonferenz mitteilte. Dabei sank vor allem die Zahl der politisch motivierten Gewaltdelikte um mehr als ein Drittel auf 482 Fälle.

          Bei rechts motivierten Straftaten stieg die Zahl der Delikte um acht Prozent auf 1.942, der höchste Stand seit zehn Jahren. Während die Gewaltdelikte zurückgingen (minus 30 Prozent auf 117 Fälle im Jahr 2017), nahmen Propagandadelikte, Fälle von Volksverhetzung, Sachbeschädigung und öffentliche Aufforderungen zu Straftaten zum Teil erheblich zu. Die Angriffe auf Asylunterkünfte gingen um nahezu die Hälfte auf 22 Fälle im vergangenen Jahr zurück.

          Positive Entwicklung bei Eigentumskriminalität

          Links motivierte Straftaten gingen im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 1.179 Fälle zurück. Die Zahl der linken Gewaltdelikte sank um 43 Prozent auf 250 Fälle. Dabei ereigneten sich etwa zwei Drittel davon im Umfeld von Demonstrationen. Sachbeschädigungen sanken um 20 Prozent auf 449 Fälle.

          Darüber hinaus verkündete die Polizei Berlin über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Wir haben uns besonders der Herausforderung angenommen, dem Anstieg der Eigentumskriminalität entgegenzuwirken.“ Tatsächlich sei der Rückgang an erfassten Fällen dieser Art „erfreulich hoch“ gewesen. So sank die Zahl an Taschendiebstählen erstmalig wieder im Jahr 2017, um knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem sie in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen war. Dies geht den Angaben zufolge auch darauf zurück, dass reisende Täterbanden gestellt werden konnten.

          Auch Einbrüche in Wohnungen sind um gut 25 Prozent zurückgegangen, was etwa 3000 Fälle weniger entspricht. Eigentumsdelikte machen aber weiterhin etwa 44 Prozent aller Straftaten aus. Dazu wuchs die Zahl gefährlicher Körperverletzungen an, außerdem gab esauch mehr Fälle von Angriffen auf Rettungskräfte. Die Aufklärungsquote stieg insgesamt leicht um 2,2 Prozent auf 44,2 Prozent.

          „Berlin ist wieder ein Stück sicherer geworden“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag bei der Vorstellung der Statistik. Geisel hatte zuletzt eine Erneuerung der Polizei gefordert und damit die Versetzung des bisherigen Polizeipräsidenten Klaus Kandt in den einstweiligen Ruhestand begründet. Um die Aufgaben wie Kampf gegen Alltagskriminalität, Abwehr des islamistischen Terrorismus oder Ausbildung von Nachwuchs bewältigen zu können, brauche es einen Neuanfang.

          Auch in anderen Bundesländern ist Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr gesunken. Trotz allem ist die Angst in der Gesellschaft vor Überfällen und Gewalt nach Ansicht des Direktors des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Thomas Bliesener, gestiegen. „Die gefühlte und die faktische Kriminalität klaffen zunehmend auseinander“, sagte Bliesener dem Bremer „Weser-Kurier“ (Samstag). Insgesamt sei die Gefahr geringer, die Furcht aber größer geworden.

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