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Eklat im Mordprozess : Angeklagter droht Opfer im Steinewerfer-Prozess mit Gewalt

Furchtbarer Unfall: das Ergebnis eines Steinwurfs Bild: dpa

Eine Horrorvorstellung ist für eine Familie aus Baden-Württemberg zur Realität geworden: In der Dunkelheit prallt ihr Auto auf der A7 gegen einen Stein und überschlägt sich. Vier Menschen werden schwer verletzt. Jetzt werden sie bedroht.

          Die Nacht ist klar, die Straße trocken, die Sicht ausgezeichnet. Von Nebel keine Spur. Familie Öztürk ist auf der Rückfahrt von einer Hochzeit in Burglengenfeld bei Regensburg in den baden-württembergischen Ort Laupheim. Gegen 0.15 Uhr sind sie losgefahren, in dieser Nacht vom 24. auf den 25. September 2016. Die beiden Kinder, vier und sechs Jahre alt, schlafen auf der Rückbank des Citroen C4 Picasso, auch die Mutter Deniz Öztürk ist auf dem Beifahrersitz eingenickt. Vater Serdal Öztürk hat nichts getrunken und auch nicht getanzt, um für die Autofahrt fit zu sein. Normalerweise übernachtet die Familie bei solchen Feiern, doch an diesem Wochenende entschloss sich das Ehepaar, zurück nach Hause zu fahren, weil sie den Sonntag gemeinsam verbringen wollen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Gegen 1.45 Uhr, der Citroen fährt mit etwa 120 Stundenkilometern auf der Autobahn 7 in Richtung Ulm, passiert dann etwas, das für viele Autofahrer eine Horror-Vorstellung ist: Plötzlich liegt vor Serdal Öztürk auf der Autobahn ein Betonklotz – 30 mal 20 mal 20 Zentimeter groß. Um zu vermeiden, dass das Auto ins Schleudern kommt, steuert er auf das Hindernis zu. Das Fahrzeug prallt auf einen Teil des geborstenen Pflastersteins, der rechte Reifen und die Felge werden zerstört, Öztürk verliert die Kontrolle über das Auto, der Citroen überschlägt sich mehrmals. Die Kinder werden aus dem Auto geschleudert. Schließlich kommt es in der Autobahnböschung auf dem Dach zum Liegen.

          „Ich erinnere mich an jede Sekunde. Auf einmal habe ich den Gegenstand gesehen. Dann kam der Aufprall. Ich habe das Lenkrad gerade gehalten. Es gab einen großen Knall. Dann habe ich noch gesehen, wie die Airbags komplett aufgegangen sind, dann war ich weg“, sagt Serdal Öztürk an diesem Donnerstag vor dem Ellwanger Landgericht. Es ist der erste Verhandlungstag zu dem Unfall. Der Familienvater ist Nebenkläger. Erst einmal tritt er aber als Zeuge auf.

          Dem Angeklagten war Schizophrenie attestiert worden

          Auf der Anklagebank sitzt der 37 Jahre alte Jörg Peter B.. Er soll den Betonklotz auf die Autobahn geworfen haben und ist wegen versuchten Mordes in vier Fällen, gefährlicher Körperverletzung in drei sowie schwerer Körperverletzung in einem Fall angeklagt. Außerdem wird ihm ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr zur Last gelegt. Eine zweite Anklage wirft ihm vor, Schusswaffen und Munition unerlaubt und somit ohne Waffenschein besessen zu haben. Die Ermittler fanden in einem Versteck des Angeklagten in der Nähe von Heidenheim eine „umgebaute Pistole Walther P88“, einen „funktionsfähigen sechsläufigen Schussapparat“ sowie zwei selbst gebaute „sechsschüssige Revolver“, Munition und selbst gegossene Projektile.

          Der arbeitslose Mann war schon zuvor wegen einer Reihe von Straftaten aufgefallen, darunter Körperverletzungsdelikte, Beleidigungen und ebenfalls unerlaubter Waffenbesitz. Weil sich auf dem Pflasterstein Hautfetzen mit DNA-Spuren fanden und es einen Eintrag des mutmaßlichen Täters in der DNA-Datenbank gab, konnte er überführt werden. In einem früheren Verfahren war ihm von Gutachtern eine „differenzierte Schizophrenie“ attestiert worden, die bei dem Mann schon seit dem Jugendalter bestehen soll.

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