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Messer vorher gekauft : Staatsanwaltschaft geht von Mord in Kandel aus

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Tatort: In dem Drogeriemarkt von Kandel in der Pfalz wurde die fünfzehn Jahre alte Mia von einem afghanischen Flüchtling erstochen. Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Nach dem gewaltsamen Tod eines 15-jährigen Mädchens in Kandel sieht die Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für einen vorausgegangenen Streit – und geht von Heimtücke aus.

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          Dem Verdächtigen im Fall des getöteten Mädchens in Kandel legt die Staatsanwaltschaft jetzt Mord und nicht mehr Totschlag zur Last. Der mutmaßliche Täter habe in dem Drogeriemarkt unvermittelt mehrfach mit einem Messer auf die 15-Jährige eingestochen, für die der Angriff überraschend gekommen sei, teilte die Staatsanwaltschaft Landau in Rheinland-Pfalz am Dienstag mit. Die Ermittler gingen deshalb vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. Das Mädchen, das sich erst einige Wochen zuvor von dem Verdächtigen getrennt hatte, wurde von mehreren Stichen verletzt, einer traf es ins Herz und war tödlich.

          Der Vorfall vom 27. Dezember hatte die bundesweite Diskussion um die Feststellung des Alters von jugendlichen Flüchtlingen abermals entfacht. Der mutmaßliche Täter ist ein Flüchtling aus Afghanistan, der offiziellen Angaben zufolge ebenfalls 15 Jahre alt ist. Zweifel daran hat der Vater des Opfers geäußert. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, sie wolle das Alter des Verdächtigen bestimmen lassen. „Mit dem Eingang eines Gutachtens ist in einigen Wochen zu rechnen“, hieß es in der Mitteilung vom Dienstag.

          Der Jugendliche sitzt weiter in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen zum Motiv und zu den Hintergründen dauern an. Kurz nach der Tat hatte die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig gesagt, im Raum stehe eine Beziehungstat, die Prüfungen liefen aber noch. Die Ermittler untersuchen auch, ob weitere Mordmerkmale erfüllt sind.

          Dass es vor der Tat Streit zwischen dem Verdächtigen und dem Mädchen gegeben hatte, war auch den Behörden bekannt. Er soll unter anderem damit gedroht haben, dass er das Mädchen „abpasst“. Die 15-Jährige zeigte ihn Mitte Dezember an – wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Der Vater des Mädchens war deshalb ebenfalls zweimal bei der Polizei.

          Am Tattag war die 15-Jährige nach den bisherigen Ermittlungen mit zwei Begleitern am Bahnhof dem Verdächtigen begegnet. „Es kam dort zum erstmaligen Aufeinandertreffen an diesem Tag“, sagte Möhlig. Der Jugendliche soll dem Mädchen und den beiden anderen dann in einen Supermarkt in der Nähe des späteren Tatorts gefolgt sein und dort das Tatmesser gekauft haben. Nach Darstellung der Ermittler folgte er danach dem Mädchen in den Drogeriemarkt, ging gezielt auf es zu und stach unvermittelt mehrfach zu. Dafür, dass sich Täter und Opfer in dieser Situation gestritten hätten, gebe es bislang keine Anzeichen. Eine Frau, die nach eigenen Angaben während der Tat im Laden war, hatte berichtet, sie habe einen Streit gehört.

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