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Anschlag auf BVB-Bus : Staatsanwalt beantragt lebenslange Haft

  • Aktualisiert am

Der Angeklagt Sergej W. bekommt im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen. Mit den Plädoyers beginnt nun die entscheidende Phase des Prozesses. Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft wertet den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund als vielfachen Mordversuch. Der Angeklagte hatte im April 2017 drei selbstgebaute Sprengsätze gezündet.

          Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten. Und genauso lange benötigte Oberstaatsanwalt Carsten Dombert, um am Montag vor dem Dortmunder Schwurgericht seinen Strafantrag für Sergej W. zu begründen. Der Angeklagte, der gestanden hat, im April 2017 drei Bomben neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund zur Detonation gebracht zu haben, soll nach dem Willen Domberts wegen vielfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

          Für die Behauptung von Sergej W., er habe mit dem Bombenanschlag nur Angst und Schrecken verbreiten, aber niemanden töten oder schwer verletzen wollen, hatte der Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer nichts als Verachtung übrig. „Blödsinn“ habe W. den Richtern da erzählt, befand Dombert. Die Behauptung, er habe die Bomben bewusst so konzipiert und ausgerichtet, dass kein nennenswerter Schaden entstehen konnte, sei „hanebüchener Unsinn“.

          Mehrere Gutachter waren in dem Verfahren zu dem Schluss gekommen, dass Splitterbomben, wie sie der Angeklagte hergestellt und gezündet hatte, nicht zu kontrollieren seien. „Die Schrapnelle fliegen in alle Richtungen davon“, sagte Dombert. Außerdem zeige ja schon der entstandene Schaden, wie groß die Gefahr für alle Insassen des Mannschaftsbusses tatsächlich gewesen sei.

          Bei der Explosion kurz nach der Abfahrt der Mannschaft von Borussia Dortmund zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco war der damals noch für den BVB aktive spanische Innenverteidiger Marc Bartra im Bus schwer am Unterarm verletzt worden. Einer der in den Bomben verborgenen Metallsplitter war zudem in die Kopfstütze neben Bartras Sitz eingedrungen. Darüber hinaus hatte ein Polizist, der dem Tross mit dem Motorrad vorausfahren sollte, ein Knalltrauma erlitten. Der Beamte musste inzwischen seinen Dienst quittieren.

          Oberstaatsanwalt Dombert ist davon überzeugt, dass der in Russland geborene deutsche Angeklagte aus Habgier handelte. Sergej W. hatte kurz vor dem Attentat in großem Stil Optionsscheine erworben, mit denen er auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie wettete. „Ziel des Angeklagten war es, größtmöglichen Schaden anzurichten“, hieß es im Plädoyer. „Dem Unternehmen Borussia Dortmund sollten die Betriebsmittel, sprich die Spieler, genommen werden.“

          Seinen Antrag, lebenslange Haft zu verhängen, obwohl kein Mensch zu Tode kam, verteidigte Oberstaatsanwalt Dombert mit dem Verweis auf den Fall der Kölner Kofferbomber 2006. Damals hatten radikale Islamisten versucht, in Zügen Sprengsätze zur Detonation zu bringen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte den Haupttäter später zu lebenslanger Haft wegen Mordversuchs verhängt. „Und diese Bomben waren nicht einmal explodiert“, sagte Dombert.

          Die Vertreter von Borussia Dortmund und des verletzten Polizisten schlossen sich dem Antrag des Oberstaatsanwalts ausdrücklich an. Für den BVB erinnerte Rechtsanwalt Alfons Becker noch einmal daran, wie sehr der Bombenanschlag die Mannschaft und den ganzen Club mitgenommen habe. „Das Geschehen ist allen ans Herz und in die Seele gegangen“, sagte Becker. Gestandene Bundesligaprofis hätten bei ihrer Zeugenaussage geweint und gezittert.

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